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    Weser-Kurier vom 18.03.2017 "Grenzenlose Kunst"

    Freier Eintritt und Führungen in mehreren Sprachen - mit dem Aktionstag „Kunst Unlimited“ will sich die Kunsthalle für jedermann öffnen. Auch und gerade für Flüchtlinge, die in Bremen leben. 

    „Kunst Unlimited“ ist dieser Tag in der Kunsthalle überschrieben und die unbegrenzte Kunst beginnt schon draußen vor der Tür. Auf der Treppe zum Eingang stehen zwei Kästen mit bunter Kreide. Gedacht wohl vor allem für die jüngeren Besucher des Hauses. Doch neben kindlichen Zeichnungen zeigt die eine oder andere Botschaft, dass mit Kreide auf Treppen zu malen oder zu schreiben durchaus auch was für Größere ist: „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit“ ist dort zu lesen.

    Und ein in Richtung Weserstadion vorbeiziehender Leipzig-Fan nutzte die Gelegenheit, den Namen seines mit Herzchen versehenen Lieblingsvereins zumindest bis zum nächsten Regen mitten in Bremen zu verewigen.

    Führungen in mehreren Sprachen

    „Wir wollen unser Haus für alle öffnen, Schwellenängste abbauen und möglichst viele Menschen ans Museum heranführen“, erklärt der Direktor der Kunsthalle, Christoph Grunenberg, die Idee hinter dem Aktionstag, der am Sonnabend bereits zum dritten Mal angeboten wurde. 

    Auch am Sonnabend wieder ein Besucher-Magnet: die dritte Auflage von "Kunst Unlimted" in der Kunsthalle. (Frank Thomas Koch)

    Um sprachliche, finanzielle und gesellschaftliche Grenzen zu überwinden, ist der Eintritt frei und es werden Führungen in mehreren Sprachen angeboten. Zum Beispiel auf Syrisch. Bea Rademacher steht vor einem Bild von Anselm Feuerbach.

    Ein Mann musiziert, vor ihm eine Frau mit einem Kind auf dem Arm – „Der Mandolinenspieler“. Die Kunstführerin erzählt die Geschichte des Bildes. Dass der Mann mit der Mandoline Feuerbach selbst ist und die Frau seine Geliebte, die Gattin eines Schusters aus einem Armenviertel Roms.

    "Wir wollen unser Haus für alle öffnen und Schwellenängste abbauen“

    Immer wieder unterbricht Bea Rademacher ihre Erklärungen. Sie gibt damit der Syrerin Senaa Al-Khaffaji Gelegenheit, die Erläuterungen zu übersetzen. Zu der 16-köpfigen Gruppe, die an dieser Führung teilnehmen, gehören vier Flüchtlinge aus Syrien.

    Seit gut einem Jahr leben die vier jungen Männer in Bremen, für drei von ihnen ist es der erste Besuch in der Kunsthalle, der vierte ist bereits zum zweiten Mal da. „Wir möchten die deutsche Kultur gerne kennenlernen“, sagt einer von ihnen. Und dass er auf jeden Fall wiederkommen wird.

    Genau das ist es, was Christoph Grunenberg mit diesem Aktionstag erreichen will. Ein möglichst gemischtes Publikum ansprechen, langjährige Freunde der Kunsthalle ebenso wie neue Besucher. Und Flüchtlinge sind dabei ein Schwerpunkt.

    Die Kunsthalle arbeite schon seit längerem mit Flüchtlingsorganisationen zusammen, erklärt er. Biete auch an anderen Tagen kostenlose Führungen für Gruppen an.

    Eine Mischung, die bestens funktioniert: Acoustic-Soul aus Afrika und Bilder von Max Liebermann. (Frank Thomas Koch)

    Elombo Bolayela, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter und am Sonnabend einer der Besucher, freut sich über dieses Engagement der Kunsthalle. „Kunst ist eine Brücke zwischen den Kulturen, sie kann dazu dienen, dass die Menschen einander näher kommen und die unterschiedlichsten Kulturkreise verbinden.“ Er hofft, dass viele andere Einrichtungen diesem Beispiel folgen.

    „Wir wollen ein Willkommen schaffen“, sagt Kunsthallendirektor Grunenberg. „Und hoffen, dass diese Besucher später noch einmal kommen.“ Zumindest der erste Teil dieser Rechnung ging auf. Die Kunsthalle war am Sonnabend den gesamten Tag über gut besucht.

    Im vergangenen Jahr zählten die Organisatoren fast 2000 Besucher.  „Das ist für einen einzelnen Tag eine unglaubliche Zahl“, ordnet Grunenberg dies ein. Vergleichbar allenfalls mit dem Andrang in der „Langen Nacht der Museen“.

    Regenschirm, Pinsel und vergoldete Klobürste

    Dafür hatten die Organisatoren der Kunsthalle auf drei Etagen ein ebenso vielseitiges wie kreatives Programm auf die Beine gestellt. Wer wollte, konnte sich zum Beispiel wie der Sonnenkönig Ludwig XIV in Positur werfen und fotografieren lassen.

    Wobei als Ersatz für Hermelin-Mantel, Krone, Schwert und Zepter freilich ein brauner Umhang, Regenschirm, Pinsel und vergoldete Klobürste herhalten mussten.

    Außerdem im Angebot: zahlreichen Kurzführungen, Puppenspiel und Mitmachaktionen. Und nicht zuletzt auch jede Menge Musik. Und selbst dass direkt vor Max Liebermanns Bild „Papageienallee“ Pärchen zu den Takten von „Stand by me“ der Gruppe „Bakotessa Unplugged“ tanzen, ist an diesem Tag in der Bremer Kunsthalle möglich – „Kunst Unlimited“ eben. 

    Flüchtlingen aus Guinea Perspektiven bieten

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    Weser-Kurier vom 20.01.2017 

    Politiker treffen sich zu Diskussion im Lagerhaus

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    Flüchtlingen aus Guinea Perspektiven bieten

     

    Silvia Pucyk 20.01.2017 

    Bremen. Flüchtlinge aus Guinea stoßen in Bremen immer wieder an Grenzen. Das machten die Teilnehmer einer Diskussion am Donnerstag im Lagerhaus deutlich, zu der der Guineische Verein für Bildung und Integration und der Bremer Jugendring eingeladen hatten. „Viele junge Menschen aus Guinea wollen hier Ziele erreichen. Aber es gibt ein Stigma. In Bremen ist es ein offenes Geheimnis, dass Männer aus Guinea mit Drogen handeln“, sagte der Moderator der Veranstaltung, Daniela de Olano.

    Elombo Bolayela, Claudia Niemann, Wilhelm Hinners, Thomas Müller und Sahhanim Görgü-Philipp (von links) bei der Diskussion im Lagerhaus. (Frank Thomas Koch)

    Dadurch gebe für die Jugendlichen zahlreiche Hindernisse im Alltag. „Es heißt, dass alle jungen Männer aus Guinea mit Drogen dealen. Die Gesellschaft differenziert nicht“, sagte der SPD-Politiker Elombo Bolayela, der selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen war. Diskriminierung sei für die Jugendlichen ein starkes Integrationshindernis. „Sie bekommen keinen Mietvertrag und leiden unter erschwerten Bedingungen, was ihren Aufenthalt anbelangt. Die Jugendlichen sitzen auf ihren gepackten Koffern“, sagte Sofia Leonidakis von den Linken. „Wenn die Flüchtlinge keinen Platz für ein Studium oder eine Ausbildung bekommen, können wir nicht von ihnen erwarten, dass sie sich integrieren“, meinte Sahhanim Görgü-Phillipp von den Grünen.

    Mit Schuld an der täglichen Benachteiligung ist laut Leonidakis auch die Presse. „Über die Flüchtlinge aus Guinea wird pauschal berichtet. Die Jugendlichen haben ein Problem, nicht nur die Geschäftsleute, vor deren Läden mit Drogen gedealt wird.“ Ralf Michel, Polizeireporter beim WESER-KURIER, sieht das anders: „In den Zeitungsberichten wird differenziert berichtet. Uns interessiert sehr, warum die Jugendlichen kriminell werden. Aber es ist nicht immer einfach, an die Geschichte hinter der Geschichte zukommen.“

    Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass die jungen Flüchtlinge aus Guinea Perspektiven für ihr Leben in Bremen brauchen. „Welche Alternativen zum Drogendealen haben diese jungen Menschen? Wir müssen mehr Arbeitsplätze und Ausbildungsangebote schaffen“, sagte Bolayela. Der Integrationsbeauftragte der Bremer Polizei, Thomas Müller, berichtete, dass sich bei der Polizei einiges im Umgang mit Verdächtigen aus Afrika getan habe. „Wir gehen viel sensibler vor. Wir fragen uns, ob eine Kontrolle sich wirklich lohnt. Und wenn wir uns dafür entscheiden, muss es eine faire Kontrolle geben.“

    Ein deutliches Signal forderte Claudia Niemann, Mitarbeiterin der Amtsvormundschaft im Amt für soziale Dienste, von der Ausländerbehörde. „Es hat klare Rückschritte gegeben, was die Genehmigung von Aufenthaltstiteln angeht“.

    Ein Problem mit der Genehmigung von Aufenthaltsberechtigungen sieht Wilhelm Hinners von der CDU und pensionierter Polizist dagegen nicht so sehr. „In Bremen haben wir im Vergleich zu anderen Bundesländern einen liberalen Umgang mit Aufenthaltsgenehmigungen. Wir müssen vielmehr etwas gegen die Unsicherheit der Betroffenen tun. Die fragen sich doch, ob sich eine Integration in die Gesellschaft lohnt, wenn sie morgen vielleicht abgeschoben werden.“

    SPD-Politiker Elombo Bolayela machte den Vorschlag, stärker mit Migrantenvereinen zusammenarbeiten, da diese die konkreten Probleme der Betroffenen kennen. Außerdem müssten gesellschaftliche Themen diskutiert werden. „Wir müssen uns fragen, woher die Drogen kommen, die am Steintor verkauft werden. Warum braucht eine Gesellschaft Drogen? Wir sollten weniger polarisieren, sondern den jungen Menschen eine Alternative zum Drogendealen bieten.“

    "Schule ohne Rassismus" an der Metallschule in Oslebshausen

    „Schule ohne Rassismus“ an der Reiherstraße

    Detlev Scheil 02.05.2016 

    Gegen Gewalt und für mehr Mut, gegen Rassismus vorzugehen – das ist eine Umgangsbasis, die nun auch offiziell für die Berufsbildende Schule für Metalltechnik an der Reiherstraße in Oslebshausen gelten soll. Sie gehört ab sofort dem bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an. Pate der nun 31. Bremer Schule im Courage-Netzwerk ist der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Elombo Bolayela (hinten, 3. v. l.). Bei einem Festakt verlieh der stellvertretende Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, Sebastian Ellinghaus (ganz links), den Titel an die Schüler und die Schulleitung, die darauf richtig stolz sind.

    WES Oslebshausen Reiherstraße Berufsschule für Metalltechnik Schule ohne Rassismus Schule mit Courage (Roland Scheitz)

    SCD·FOTO: ROLAND SCHEITZ

     

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    Aus der Syker Kreiszeitung vom 07.09.2016

    Bremen und seine Kolonialgeschichte - 111 Jahre später Weser-Kurier vom 16.12.2015

    Das bekannte Antikolonialdenkmal in Form eines Elefanten aus Backstein. (China Hopson)

    An schönen Tagen dient er Schülerinnen und Schülern des nahegelegenen Hermann-Böse-Gymnasiums als Plattform für eine Pause in der Sonne. Und zur Freimarktszeit verabreden sich Bremerinnen und Bremer am Elefanten, um von dort zur Bürgerweide aufzubrechen.

    Doch das Backstein-Monument, das 1932 als Reichskolonialdenkmal eingeweiht und Jahrzehnte später in ein Antikolonialdenkmal umgedeutet wurde, hat eine Vergangenheit, an die sich aus Sicht der SPD- und der Grünen-Fraktion bislang zu wenige Menschen erinnern. Die kolonialistische Geschichte Deutschlands, insbesondere Bremens, sollte im Unterricht intensiv behandelt werden, das Übersee-Museum dem Kolonialismus als dunkles Kapitel deutscher Geschichte einen Schwerpunkt widmen.

    Mit solchen Forderungen wollen die Koalitionäre im Januar einen Antrag auf die Tagesordnung der Stadtbürgerschaft bringen. „Wir sollten nicht schweigen“, sagt Elombo Bolayela (SPD). Gemeinsam mit Ralph Saxe und den grünen Fraktionskollegen werben die sozialdemokratischen Abgeordneten für ein schlüssiges Erinnerungskonzept.

    Eine Rolle dabei spielen Straßennamen, die an Akteure des Kolonialismus’ erinnern, ohne dass deren Rolle einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist. Wer denkt schon an den Bremer Kaufmann Lüderitz und seinen folgenreichen Kaufvertrag über einen Landstrich in Afrika auf dem Boden des heutigen Namibia, wenn er durch die Lüderitzstraße in Schwachhausen fährt? Nach Ansicht des grünen Politikers Ralph Saxe, der sich auch im Verein „Der Elefant“ für die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte und den Erhalt des Mahnmals einsetzt, sollten belastete Namen nicht von Straßenschildern verschwinden, sondern erklärende Zusätze erhalten. Das könne dazu beitragen, die Kolonialgeschichte „im dauerhaften Gedächtnis der Stadtgesellschaft zu verankern“, so Saxe. Weitere Beispiele seien die Nachtigalstraße und die Vogelsangstraße. Die Namensgeber waren ebenfalls Beteiligte am Land- und Rechteerwerb in der späteren Lüderitzbucht im heutigen Namibia.

    Die Rolle Bremens im Kolonialismus sollte nach Meinung Saxes und Bolayelas auf den Lehrplan der Bremer Schulen. Und das Übersee-Museum sollte dem Thema einen Schwerpunkt in der Dauerausstellung widmen, meinen die Politiker.

    Dauerausstellungsprojekt für 2018 geplant

    Wiebke Ahrndt, Direktorin des knapp 120 Jahre alten Übersee-Museums, ist für die Idee sehr offen. „Es ist für uns eine essenzielle Frage, was es für ein Museum heißt, seine Wurzeln in der Kolonialzeit zu haben“, sagt sie. Geplant sei für den Herbst 2018 ein Dauerausstellungsprojekt zur Geschichte des Überseemuseums. Und dieses setze sich dann auch mit dessen Entstehung in der Kolonialzeit auseinander und ordne sie ein.

     

    Bremen solle sich „auf Bundesebene dafür einsetzen, dass der Völkermord an den Völkern der Nama und Herero offiziell anerkannt wird“, fordern die Antragsteller weiter. Die Bundesregierung hatte im Juli in dem Zusammenhang erstmals von Völkermord gesprochen. Saxe ist der Ansicht, das reiche nicht aus: „Die Bundesregierung als Rechtsnachfolger muss sich offiziell entschuldigen und der historischen Verantwortung gerecht werden. Es gehört zu unserer Geschichte, dass es nicht nur gute Tage gab.“

    Die Bremer stehen mit ihrem Ansinnen übrigens nicht allein. Auch in Hamburg ist vor einigen Jahren das Thema Koloniale Erinnerungskultur vorangetrieben worden. Der dortige Senat hat in diesem Sommer ein Konzept auf den Weg gebracht, dessen Kern eine wissenschaftliche Aufarbeitung des kolonialen Erbes der Hansestadt ist.

    www.weser-kurier.de/bremen/bremen-politik-wirtschaft_artikel,-Gedaechtnisort-Elefant-_arid,1274560.html

    Mein Interview im Kurier am Sonntag vom 04.10.2015

    Dann bin ich Richtung Europa geflohen“

     04.10.2015 Kurier am Sonntag

    Elombo Bolayela wurde

    1965 als Sohn eines evangelischen Pastors in Kinshasa

    (Demokratische Republik Kongo) geboren. 1992 kam

    er als Asylbewerber nach Deutschland. In Syke wurde er Tischler, bis 2014 arbeitete er in einem Baumarkt in Bremen und war dort stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrats. Er ist seit 2011 Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft.

    Herr Bolayela, Sie sind 1992 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Das war gerade der Höhepunkt der rechtsextremen Anschläge auf Asylunterkünfte. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

    Elombo Bolayela

    : Von Deutschland wusste ich nicht viel und es war auch nicht mein Ziel. Als junger Mensch kam ich gerade von der Universität. Ich habe mir gesagt, wenn ich nach Europa gehe, dann nach Frankreich oder auch auf den amerikanischen Kontinent nach Kanada, um studieren zu können. Dass es dann Deutschland geworden ist, war ein Zufall, weil das Geld einfach nicht gereicht hat. Ich bin in Hannover angekommen. Dort sollte mich jemand abholen. Dieser Mann ist nicht aufgetaucht. Ich hatte keine richtige Winterjacke. Ich musste ein paar Afrikaner auf der Straße fragen, wo ich Asyl beantragen kann. Jeder, der Blau gekleidet war, war Polizist für mich, auch die Bundesbahnmitarbeiter. Wenn ich einen gesehen habe, musste ich mich verstecken. Bei der Caritas habe ich dann Asyl beantragt. Am Bahnhof war es wie in einem Film. Viele Menschen kamen an und verschwanden wieder. Das war für mich ein Kulturschock. Die Menschen waren fixiert auf ihre Richtung. Es war irgendwie alles gesteuert. Das waren meine ersten Beobachtungen.

    Haben Sie damals von einer ablehnenden Haltung innerhalb der deutschen Gesellschaft etwas mitbekommen?

    Damals gab es für mich keine Ablehnung. Die Menschen waren desinteressiert und haben mich nicht wahrgenommen. Die Ablehnung hat man gemerkt, als man mit den Behörden zu tun hatte. Ich fühlte mich wie in einem Film. Ich wurde fotografiert und es wurden Fingerabdrücke genommen, das kannte ich nur aus Filmen, aber diesmal war ich live dabei. Die Unfreundlichkeit der Behörde konnte man spüren. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keinen Kontakt mit deutschen Menschen. Den ersten Kontakt hatte ich dann in Syke.

    Mittlerweile sind ein paar Jahre vergangen. Die Situation ist in etwa die gleiche. Es geschehen wieder Anschläge auf Unterkünfte von Asylbewerbern. Was fühlen Sie, wenn sie so etwas sehen?

    1992 haben die Behörden und die Politik gesagt: Asylbewerber wollen wir nicht haben. Aber heute muss man ehrlich sagen, dass sich diese Einstellung zum Positiven geändert hat. Politisch gibt es Kompromisse zwischen den etablierten Parteien. Die Tendenz ist: Ja, wir wollen Flüchtlinge. Aber wir arbeiten nicht präventiv, sondern wir reagieren. Das ist der strukturelle Fehler. Meine Wahrnehmung ist, dass politische Initiativen, Kirchengemeinden und viele Menschen in Deutschland bereit sind zu helfen. Dafür bin ich dankbar. Daneben gibt es auch welche, die meinen, Deutschland ist kein Einwanderungsland. Gott sei Dank sind die meisten Menschen in Deutschland aber dafür. Die Akzeptanz ist hoch und die müssen wir politisch nutzen und das freiwillige Engagement der Ehrenamtlichen begleiten. Aber braune Soße gibt’s immer noch.

    Schade. Das wirft leider ein schlechtes Licht auf Deutschland.Wurden Sie selbst Opfer von Diskriminierung und Rassismus?

    Beispiele gibt es, ja. Aber ich habe Glück gehabt, dass ich das nicht so stark erlebe. Ich weiß, es existiert, aber ich stelle fest: Es ist ruhiger geworden. Ich möchte das auf gar keinen Fall in den Vordergrund stellen. Die meisten Deutschen, die ich kenne, haben andere Sorgen. In meiner Heimatstadt Syke habe ich 1993 Pastor Wilhelm Tesch getroffen. Da hat es sich für uns in Syke und in der Gemeinde sehr positiv entwickelt.

    Sie haben gerade gesagt, Syke ist für Sie…

    Heimat!

    Was ist die erste Erinnerung an Syke?

    Meine erste Erinnerung ist die Begegnung mit Pastor Tesch, ich nenne ihn Papa Tesch, der uns im Asylbewerberheim besucht hat. Ich kam in sein Pfarrhaus. Da waren ein paar afrikanische Trommeln. Bevor wir angefangen haben zu reden, haben wir ein bisschen Musik gemacht und ich habe mich wie zu Hause gefühlt. Drei, vier Wochen später haben wir einen großen afrikanischen Gottesdienst gefeiert. Vor 300 weißen Leuten zu sprechen und zu trommeln, das war für mich etwas Neues und ich war nervös und aufgeregt, aber auf der anderen Seite auch glücklich. Seitdem bin ich in der Gesellschaft in Syke aufgenommen worden und ich fühlte mich langsam sicherer und entwickelte Selbstbewusstsein.

    Wo waren Sie in Syke untergebracht?

    In der Sulinger Straße 1. Das war ein Asylbewerberheim mit vielen verschiedenen Nationen. Ich hatte ein Zimmer mit einem Landsmann aus dem Kongo. Wir haben ihn Präsident genannt, er war älter und breiter. Die Mitarbeiter kannten uns nur dem Namen nach. Dann sollte der ältere Mann ein Hochbett bekommen und sollte oben schlafen. Aus Respekt zum Älteren habe ich gesagt: Großer Bruder, ich gehe oben schlafen und du bleibst unten. Wir haben getauscht, aber auf dem Papier war das anders. Alle sechs bis sieben Wochen bin ich in Syke und besuche meine alte Heimatstadt.

    Warum mussten Sie aus dem Kongo fliehen?

    Ich musste als Student aus dem Kongo fliehen. Nach meinem Abitur habe ich das erste Mal das Wort Demokratie im kongolesisch-zairischen Kontext gehört, als der Präsident im Fernsehen sagte: Wir müssen mehr Parteien im Land ausprobieren, der Westen wolle das so. Und man konnte sehen, der Präsident wollte das nicht. An einem Montag bin ich zu meinem Professor gegangen und habe gefragt: Was bedeutet das für uns konkret? Was müssen wir dafür tun? Die Antwort lautete: „Wir müssen eine neue Verfassung haben“. Aber Mobutu wollte das nicht. Die Partei hatte immer 99,9 Prozent bei der Wahl. Ich habe mich gefragt, warum die 0,1 Prozent fehlten. Der Professor sagte mir, da Mobutu nicht will, müssen wir sehen, dass wir uns politisch organisieren. Am 16. Februar 1992 gab es eine große Demo der Kirchen, Hilfsorganisationen, aber auch der Moscheen. Viele Menschen wurden erschossen. Einer meiner Brüder war verschwunden und ich wurde am linken Bein verletzt. Ich habe die Verletzung immer noch. Heute frage ich mich: Was haben wir da getan? Es wurde zwar im Kongo zwei oder drei Mal gewählt, und es gab auch einen Putsch. Von damals bis heute gab es zwölf Millionen Tote, was hat das für die Menschen im Kongo konkret gebracht? Ich konnte mein Studium nicht beenden und floh ins Nachbarland Kongo-Brazzaville. Ich konnte nicht in ein Krankenhaus gehen, weil ich kein Unbekannter war. Viele der Geflüchteten wurden durch den zairischen Geheimdienst verhaftet. Dann bin ich Richtung Europa geflohen.

    Wie würden Sie für sich selbst Heimat definieren?

    Heimat ist, wo ich mich wohlfühle und keine Angst haben muss. Wo meine Familie, meine Verwandten sind. Meine Frau kommt aus Bremen, meine Kinder sind in Bremen geboren. Meine Interessen und beruflichen Kontakte sind in Bremen und Syke. Ich bin in Bremen zu Hause. Meine Freunde sagen immer: ein Bremer aus Syke. Und darauf bin ich stolz.

    Sie haben in Syke eine handwerkliche Ausbildung angefangen, das ist als Student schon ein großer Schritt. Was hat Ihnen die Motivation gegeben?

    Wo ich geboren bin, werden leider die handwerklichen Berufe nicht so ernst genommen. Die Väter wollen immer, dass die Kinder studieren. Ich habe geguckt, welche Möglichkeit habe ich? Was kann ich machen? Die Sprache war auch nicht die beste. Ich hatte immer die Idee, irgendwann nach Hause zurückzukehren. Trotz Familie und kleiner Wohnung wollte ich wieder in den Kongo. Ich habe gesagt, ich lerne etwas, was ich in beiden Ländern gebrauchen kann. Ich bin in die Tischlerlehre gegangen. 1999 habe ich im Baumarkt angefangen und dort bis ins vergangene Jahr gearbeitet.

    Über die Arbeit in der Firma sind Sie in deren Betriebsrat gekommen.

    Ja, zwei Jahre später wurde ich in den Betriebsrat gewählt. Da entwickelt man wieder ein anderes Selbstvertrauen. Wir waren ein Unternehmen mit rund 5000 Mitarbeitern. Der Baumarkt war damals eine reservierte Domäne für Bio-Deutsche. Ich hatte auch keine türkischen oder polnischen Kollegen. Alle hießen Meyer, Schmidt und Co. Und die haben mich trotzdem gewählt und ich habe sie gut vertreten. Dann haben sie mich wiedergewählt. Ich gehörte in das System und ich war nicht mehr ein Fremder.

    Wann haben Sie sich entschieden, politisch aktiv zu werden?

    Ich war immer politisch engagiert. Aber in eine Partei zu gehen, habe ich mich nicht getraut. Ich hatte keine Vorbilder. Es gab noch nie einen schwarzen Menschen in der deutschen Politik. Deswegen war es für mich einfach unvorstellbar. Ich hatte auch immer gute Kontakte in die Heimat. 2009 bin ich das erste Mal zurück und wollte dort eine Tankstelle eröffnen. Als ich da war, war ich schon am Flughafen geschockt. Ich habe mich gewundert, wie stark ich schon die deutsche Mentalität angenommen hatte. Die Abläufe waren einfach total anders. Ich habe festgestellt, ich gehöre nicht mehr hierher. Über einen Kunden im Baumarkt bin ich dann zur SPD gekommen.

    Bremen ist meine Heimat.

    Haben Sie manchmal die Befürchtung, dass Sie vielleicht nur als Imagepflege für die Partei ausgenutzt werden, als erster dunkelhäutiger Bürgerschaftsabgeordneter?

    Unsere Gesellschaft hat sich geändert. Das müssen die Kirchen, die Parteien, die Kultureinrichtungen und alle anderen Institutionen wahrnehmen. Es gibt ja keine typischen schwarzen oder weißen Organisationen. Also, wie bekommen wir mehr Menschen mit Migrationshintergrund auch in den kulturellen Bereich? Man muss die Entwicklung sehen. In Bremen hat ein Drittel der Menschen einen Migrationshintergrund. Wenn Institutionen das nicht sehen wollen, zweifele ich an unserer gemeinsamen Zukunft. Unsere Gesellschaft ist bunt, und das muss man auch sehen. Bei der SPD bin ich nicht ganz vorne. Ich bin ein ganz normales Mitglied, das sich, wie viele andere auch, engagiert, und ich glaube, das hat mit meiner Hautfarbe nichts zu tun.

    Vom Tischler zum Abgeordneten ist ein großer Weg. Wann standen Sie das letzte Mal an der Säge?

    Im Job bis zum vergangenen Februar. Ich bin Handwerker. Vom Tischler zum Abgeordneten, da gehört Engagement dazu. Ich bin immer engagiert, bis heute. Für mich war es schwierig, mein christliches Engagement, das Musikalische, das Politische und die Arbeit zusammenzuführen. Es ist alles eins. Ich mache handwerklich viel alleine und werde von meiner Frau unterstützt. Sie ist für die Feinarbeit zuständig und ich für die grobe Arbeit. Wie in der Politik.

    Seit 2002 sind Sie Leiter des Chors ohne Grenzen. Was bedeutet Musik für Sie?

    Musik ist mein Halt, Musik ist mein Leben. Musik ist gut und in der Kirche kann ich Leute kennenlernen, die mich so annehmen wie ich bin. Da kann ich lachen und Gott loben. Der Chor ohne Grenzen singt für einen guten Zweck. Wir singen natürlich, weil wir selbst Spaß daran haben, aber wenn wir zum Beispiel eine CD verkaufen, geht das Geld an ein Projekt. Es ist Engagement, Spaß und Hilfe für die anderen, die es nicht so gut haben. Wir sind der Förderverein „Chor ohne Grenzen – Musik und Spaß mit karitativem Engagement“.

    Sie betätigen sich in Ihrer Freizeit als Kleingärtner. Ein typisch deutsches Hobby. Wie kam es dazu?

    Ein Kollege wollte seine Parzelle aufgeben. Die ist nicht weit von uns. Wir haben einen kleinen Garten und brauchten Platz für die Kinder. Wir haben dort ein kleines Holzhaus. Ein Mal im Sommer machen wir eine Party mit Freunden und Nachbarn. Jetzt im Oktober heißt es wieder: winterfest machen. Das ist für mich ein Rückzug. Dort habe ich keinen Fernseher, wir haben nur Radio. Und was ich toll finde: Das Handy funktioniert nicht so gut, also abschalten. (lacht)

    Stichwort Handy: Heute kritisieren viele Menschen Flüchtlinge mit Smartphones, mit denen sie mit ihren Familien kommunizieren. Wie haben Sie den Kontakt nach Hause gehalten?

    Erst mal: Ein Smartphone ist kein Luxus mehr. Zu meiner Zeit gab es das nicht. Wir mussten immer in eine Telefonkabine, die Verbindung war schlecht oder wir mussten warten. Ich musste nach Bremen und das war illegal, wegen der Residenzpflicht. Ich musste auf die Genehmigung warten. Das war schwierig als junger Mensch. Die Kommunikation war schwer. Heute sind Handys etwas Normales und es ist gut, dass es sowas gibt. Man muss sich vorstellen, alles zu verlieren, in einem fremden Land, die Sprache nicht zu sprechen, jetzt gerade im Winter und in einem Zelt zu leben. Das Handy ist wichtig. Es geht um ein menschliches Leben und Sicherheit. Ich bin ein Vater: Wie kann ich in mein Kind in ein Boot setzen, das nach Europa geht. Wie verzweifelt muss ich sein. Mit der Ungewissheit, dass es vielleicht nicht ankommt. Unsere Welt wackelt. Die wenigsten Flüchtlinge kommen nach Europa. Sie willkommen zu heißen, heißt ihnen einen Platz zu geben. Auch wenn es provisorisch eine Turnhalle ist.

    Sie haben schon viel über Ihren Glauben erzählt. Ihr Vater war Pastor im Kongo. Was bedeute der Glaube für Sie?

    Glaube ist für mich mein Halt. Ich bin durch die Familie zum Glauben gekommen. Ich fühle mich dadurch gut angenommen, weil die Leute mich nehmen, so wie ich bin. Neben Musik steht der Glauben an erster Stelle. Er ist für mich auch eine Dankbarkeit. Das gibt auch innere Ruhe.

    Sie haben fünf Kinder…

    Ja, Sie sehen, dass ich zur Bevölkerungssteigerung in Bremen beigetragen habe. (lacht).

    Was geben Sie Ihren Kindern aus Ihren Erfahrungen mit auf den Lebensweg?

    Respekt. Leistung und Glauben. Es kommt gar nichts von alleine. Du musst dich immer einbringen. Du musst etwas leisten, in der Schule oder der Arbeit. Von nichts kommt nichts. Respekt ist wichtig und man muss sich mit dem System, mit dem Land und den Menschen identifizieren. Ich lebe in dieser Gesellschaft und nicht parallel. Wenn eine Tür zu ist, geht die andere auf. Es gibt so viele Möglichkeiten. Und wenn das bei mir klappt, dann kann es bei jedem klappen. Manchmal gibt es den Moment, an dem man denkt, es geht nicht weiter. Daran glaube ich nicht. So viele Türen gehen zu, so viele gehen wieder auf. Wir haben viele Möglichkeiten, leben in einer offenen Gesellschaft. Hier kann man sogar im Alter die Schule von vorne anfangen. Hier kannst du alles lernen. Manchmal ist es schwer, aber wenn man will, schafft man es. Geschenke bekommt man selten.

     

    Auf einen Kaffee mit Elombo Bolayela (Janina Rahn)

    Das Interview führte Eike Wienbarg.

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    Eine Politikstunde mit dem Präsidenten

    Oberschule im Park

    Ghanaprojekt

    Modellprojekt „Anonymisiertes Bewerbungsverfahren"

    VON LIANE JANZ / Weserkurier 29.10.2012

    Der Förderverein des früheren Kinderzentrums Bremen tritt am Sonnabend, 23. Februar, erstmals öffentlich in Erscheinung. Vereinsmitglied Elombo Bolayela, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter aus Oslebshausen, hat für diesen Abend ein Chorkonzert in der Kirche Unser Lieben Frauen organisiert. Der Erlös aus dem Benefizkonzert kommt dem Zentrum zugute.

    Hulsberg·Altstadt·Gröpelingen. Im Sommer wird das Sozialpädiatrische Institut am Klinikum Bremen-Mitte, früher "Kinderzentrum Bremen" genannt, 35 Jahre alt. Es war deutschlandweit eines der zehn ersten Zentren dieser Art. Am Institut arbeiten Therapeuten und Ärzte aus neun Disziplinen zusammen, um Entwicklungsstörungen bei Kindern frühzeitig zu erkennen, ihre Ursachen herauszufinden und in individuellen Therapien zu beheben.

    Finanziert wird die Arbeit im Institut zu 85 Prozent von den Krankenkassen und zu 15 Prozent von der Sozialbehörde. "Wir dürfen keinen Gewinn machen, sollen aber möglichst auch keinen Verlust machen", sagt der Kinder- und Jugendarzt Burkhard Mehl, Direktor des Sozialpädiatrischen Instituts. In den vergangenen 30 Jahren sei das gelungen, "aber es wird schwieriger".

    Förderverein spielt Geld ein

    Wegen fehlender Mittel sind die Räume im Institut größtenteils noch mit den Gegenständen und Möbeln von vor 35 Jahren eingerichtet. Die Mitarbeiter störe es nicht, wenn sie ihre Akten in 35 Jahre alte Schränke einsortieren, aber für die Therapien der Kinder sei die alte Einrichtung der Therapieräume nicht förderlich, so Burkhard Mehl. Um neue Therapiemittel anschaffen zu können, hatte er die Idee, einen Förderverein zu gründen.

    Im Mai 2012 war die Gründungsversammlung. Der "Förderverein Kinderzentrum Bremen" ist mittlerweile ins Vereinsregister eingetragen. Den Vorsitz hat die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Margitta Schmidtke übernommen. Zum Vorstand gehören weiterhin der Kinderarzt Stephan Schlenker und der Bürgerschaftsabgeordnete Arno Gottschalk (SPD). Sowohl Schmidtke als auch Gottschalk betonen, dass der Verein kein politisches Gremium sei, und erst recht keine Institution der SPD. Schmidtke musste die Angebote des Sozialpädiatrischen Instituts mit ihren Kindern selbst in Anspruch nehmen und kennt die Arbeit der Einrichtung. Im Verein engagieren sich neben Politikern aller Bürgerschaftsfraktionen auch Eltern und Ärzte.

    Jetzt hat der Verein 35 Mitglieder. Die Mitgliedschaft kostet mindestens zwölf Euro im Jahr. Die Summe sei so gewählt, dass sich auch Menschen mit geringem Einkommen eine Mitgliedschaft leisten können, sagt Margitta Schmidtke. Für besser Verdienende gibt es in Sachen Mitgliedsbeitrag nach oben keine Grenzen.

    Der Förderverein soll zwei Aufgaben erfüllen: Natürlich sollen Spenden für die Therapieräume des Instituts gesammelt werden. Darüber hinaus soll er Öffentlichkeitsarbeit leisten und Vorbehalte gegenüber Behinderten in der Bevölkerung abbauen. Dafür müssen behinderte oder entwicklungsgestörte Kinder eine Teilhabe an der Gesellschaft und Freizeitmöglichkeiten wie andere Kinder auch bekommen können. Der Förderverein soll ihnen eine Stimme nach außen geben. "Wir bezahlen keine Therapien", sagt Schmidtke. Das bleibe Aufgabe der Krankenkasse.

    Zum ersten Mal tritt der Verein am Sonnabend, 23. Februar, öffentlich in Erscheinung. Vereinsmitglied Elombo Bolayela, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter aus Oslebshausen, hat für diesen Abend ab 18 Uhr ein Chorkonzert in der Kirche Unser Lieben Frauen organisiert. Er hat den Martus-Chor der deutsch-koreanischen Kirchengemeinde, den Gospelchor Good News der Pfingstgemeinde und das Schulorchester der Gröpelinger Grundschule Auf den Heuen angesprochen. Alle haben sich bereit erklärt, am 23. Februar beim Konzert "Chöre singen für Kinder mit Behinderung" aufzutreten. Sie verzichten auf Gage und bitten um Spenden für den Förderverein.

    Dass die Arbeit des Sozialpädiatrischen Instituts nötig ist, zeigen die Zahlen: 2500 Kinder werden im Institut betreut. Damit stößt es an seine Kapazitätsgrenzen. "Wir werden überlaufen", sagt Burkhard Mehl. Für Kinder, die zum ersten Mal an das Institut überwiesen werden, gebe eine Wartezeit von bis zu sechs Monaten. Vergrößern kann sich die Einrichtung, die seit fünfeinhalb Jahren in der Karl-Friedrich-Straße 55 untergebracht ist, nicht. Dafür fehlt Geld.

    Spenden an den Förderverein Kinderzentrum Bremen sind an das Konto 106326000, Bankleitzahl 29190330 bei der Volksbank Bremen-Nord möglich. Wer Interesse an einer Mitgliedschaft hat, der kann sich auch per E-Mail an die Adresse

    spz@klinikum-bremen-mitte.de und an das Sekretariat des Instituts wenden.

    Von Alexander Pitz / Weserkurier 09.02.2013

    Bremen. Es ist ein wahrer Sturm der Empörung, den Hessens FDP-Landesvorsitzender Jörg-Uwe Hahn ausgelöst hat. Hintergrund ist ein Interview, in dem Hahn die Akzeptanz von FDP-Chef Philipp Rösler als Vizekanzler wegen dessen vietnamesischer Herkunft infrage stellte. Seitdem ist eine bundesweite Rassismus-Debatte in Gang geraten, die auch Bremens Polit-Szene beschäftigt: Haben Politiker mit Migrationshintergrund wirklich Nachteile beim Wähler? Ist Alltagsrassismus wirklich ein so großes Problem in Deutschland?

    "Unsere Gesellschaft ist bunt, und es sind auch einzelne Rassisten dabei, aber wir müssen aufpassen, nicht zu pauschalisieren", sagt Elombo Bolayela (SPD), der aus Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo stammt und seit 2011 Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft ist. "Gäbe es ernste Probleme, wäre ich doch gar nicht hier", stellt Bolayela klar. "Deutschland hat sich prächtig entwickelt und öffnet sich zusehends für andere Kulturen", so der Politiker, der sich im Integrationsausschuss der Bürgerschaft engagiert. Man dürfe nicht den Fehler machen, zu sehr in alten Klischees zu denken. "Das wird unserem Land nicht gerecht."

    Die Äußerungen von Jörg-Uwe Hahn hält Bolayela für unzumutbar: "Was dieser Mann gesagt hat, ist absolut inakzeptabel. Ich verstehe so etwas gar nicht. Man sollte das in Zukunft unterbinden." Denn solche Aussagen würden nicht zu dem Deutschland passen, das er kenne. "Wir sind da schon viel weiter", ist Bolayela überzeugt. Er selbst habe zum Beispiel noch nie Probleme wegen seiner dunklen Hautfarbe gehabt. "Ich empfinde das eher als Vorteil", sagt der 47-Jährige. "Schließlich gibt es genügend Menschen, die mich gewählt haben." Und Bremen als alte Hafenstadt sei ohnehin besonders weltoffen. Bolayela rät, den wenigen Nazis und Rassisten, die es gebe, keine allzu große Aufmerksamkeit in der täglichen Diskussion zu schenken. "Das schadet doch am Ende nur dem Ansehen unseres Landes, weil es die vielen guten Seiten überdeckt."

    Mehmet-Ali Seyrek, der ebenfalls für die SPD in der Bürgerschaft sitzt, sieht dies ähnlich: "Es gibt so viele Abgeordnete mit Migrationshintergrund – sei es in der Bürgerschaft, im Bundestag oder in anderen Parlamenten. Das zeigt doch, dass Deutschland auf jeden Fall in der Lage ist, Menschen aus anderen Nationen zu integrieren und zu akzeptieren." Seyrek versteht die Einlassungen Hahns nicht. "Ich weiß überhaupt nicht, was er damit bezwecken wollte. Da kann man nur den Kopf schütteln."

    Der 53 Jahre alte Bremer Politiker stammt aus der Türkei und berichtet nahezu ausschließlich von guten Erfahrungen, die er gemacht habe, seit er in der Hansestadt lebe: "Die Menschen sind fast alle offen und nett hier." Aber natürlich gebe es Ausnahmen. So sei er im Wahlkampf einige Male als Ausländer beschimpft worden, der besser wieder in die Türkei zurückkehren solle. "Aber das kommt wirklich nur ganz, ganz selten vor", versichert Seyrek. "Unterm Strich kann man sagen, dass Rassismus kein großes Problem in dieser Gesellschaft darstellt. Es gibt nur einzelne Unbelehrbare, die ab und zu Ärger machen."

    Von Anne Gerling / Weserkurier 29.10.2012

    Wie geht es ab 1. Januar weiter mit dem Polizeirevier? Das ist zur Zeit die große Frage in Oslebshausen. Mitte November will Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) dazu klare Antworten geben – im Vorfeld waren jetzt die beiden SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Elombo Bolayela und Rolf Vogelsang für eine Bestandsaufnahme in Oslebshausen unterwegs.

    Oslebshausen. "Ich bin Herrn Kröger sehr dankbar für seine ungeschönten Worte zur aktuellen und zur zu erwartenden Kriminalitätssituation in Oslebshausen. Es zeigt sich mehr als deutlich: Die Polizei im Stadtteil stößt bei ihrer Arbeit schon jetzt an die Grenzen. Anders als Senator Mäurer uns und den Bürgern glauben machen möchte, brauchen wir hier vor Ort nicht weniger, sondern tendenziell eher mehr Polizei", so Torsten Vagts, Sprecher der Gröpelinger CDU-Beiratsfraktion, nach der letzten Beiratssitzung – und damit spricht er wohl vielen Oslebshausern aus der Seele.

    "Was hier läuft, ist schlechte Politik für die Bevölkerung. Sicherheit und Bildung dürfen nicht vor die Hunde gehen", sagt der Bürgervereinsvorsitzende Hubert Pust.

    Besonders überraschte die Bürger und Ortspolitiker während der Sitzung die Information, dass die vom Innensenator seinerzeit für Oslebshausen zugesagte regionale Einsatzgruppe, die sich unter anderem um Einbruchs- und Diebstahlsdelikte kümmern soll, nun voraussichtlich in Walle angesiedelt werden soll. Vagts ist verärgert über die Informationspolitik des Innensenators: "Wenn dem Beirat gegenüber Zusagen getroffen werden und wir dann von anderer Stelle erfahren müssen, dass diese wohl nicht eingehalten werden, können wir mit solch einem Vorgehen nicht einverstanden sein. Wir fordern Herrn Mäurer daher auf, sich erneut vor dem Beirat und der Gröpelinger Öffentlichkeit zu erklären."

    Und genau das soll nun geschehen. Bevor die Innendeputation Ende November einen Beschluss zur Zukunft der Wache fasst, will Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sich am 14. November mit den Oslebshausern treffen: Das haben die SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Elombo Bolayela und Rolf Vogelsang angekündigt. Sie trafen sich jetzt mit Anwohnern, Bürgerverein, den SPD-Beiratsmitgliedern Ursula Neke und Petra Wontorra und der Leitung der Polizeiwache am Oslebshauser Bahnhof, um sich ein genaues Bild von der aktuellen Situation und dem Bedarf im Ortsteil zu machen.

    Vier Mann für Revierdienst und Bürgerservice, zwei Kontaktpolizisten (KOP), ein Verkehrssachbearbeiter und zwei Revierleiter: Neun Polizeibeamte sind momentan noch an der Oslebshauser Wache tätig. Drei statt bisher zwei KOPs will Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) stattdessen ab 1. Januar in Oslebshausen einsetzen und alle anderen Beamten aus Oslebshausen abziehen. Die KOPs sollen zusätzlich zu ihrem Außendienst umschichtig je zwei Stunden pro Tag die Wache für die Bürger öffnen.

    Als Abschnittsleiter der Kontaktpolizisten ist momentan der stellvertretende Revierleiter Klaus Dunker auch selbst regelmäßig im Revier unterwegs – mit drei eingeplanten KOPs würde sich also im Prinzip am Status quo auf der Straße nichts ändern. Das Entscheidende sind allerdings die zusätzlichen zwei Stunden Bürgerservice am Tag. Den Verwaltungsaufwand für eine Anzeige beziffert Revierleiter Uwe Kröger auf bis zu drei Stunden – und das binde den jeweiligen Kollegen an die Wache, zumal die KOPs sich in diesen Bereich auch erst wieder neu einarbeiten müssten. "Der nächste Bürger, der dann mit einer Anzeige kommt, muss warten, aber man kann nicht alles immer beiseite schieben", sagt Kröger. Die Konsequenz: "Dann haben wir bei einer Präsenzquote von 75 Prozent nur noch einen Polizisten draußen. Das ist zu wenig für diesen Bereich."

    Nicht genügend Personal

    Bezweifelt wird in Oslebshausen außerdem auch, dass das Gröpelinger Polizeirevier genügend Personal hat, um die Oslebshauser Kollegen tatsächlich – wie von Mäurer geplant – unterstützen zu können. "Die 110-Fahrzeuge kriegen zwischendurch andere Aufträge und fahren dann zum Beispiel nach Walle. Damit kann der Acht-Minuten-Standard in Oslebshausen bei Weitem nicht eingehalten werden", ist Kröger überzeugt. Die Oslebshauser wollen deshalb ein Polizeifahrzeug für ihren Ortsteil, das auch mit entsprechendem Personal hinterlegt ist. "Es wird nicht so bleiben wie jetzt – das ist uns allen klar. Aber wir wollen sehen, dass was gemacht wird", unterstrich Elombo Bolayela bei dem Treffen. SPD-Beiratsmitglied Ursula Neke betonte: "Wir haben hier seit acht Jahren ein separates WiN-Gebiet, in das viel Geld geflossen ist. Dort die KOPs mit dem Täter-Opfer-Ausgleich zusammen – mit viel Erfolg. Wir wollen nicht, dass das kaputt gemacht wird. Und eines lassen wir bestimmt nicht gelten, dass gesagt wird: Gröpelingen hat ja zwei Reviere, da können wir ja eins schließen."

    Am Mittwoch, 14. November, ab 19 Uhr ist Innensenator Ulrich Mäurer zu Gast im Bürgerhaus Oslebshausen, um mit Ortspolitikern und Bürgern über seine Pläne zu sprechen.

    Von Tobias Langenbach / Weserkurier 5.10.2012

    Bremen/Berlin. Ob CDU, SPD oder Grüne – Politiker mit Migrationshintergrund finden sich in vielen Parteien. Sind sie die Vorzeige-Integrierten unserer Gesellschaft? Diejenigen, die sich zu Deutschland bekennen und die Zukunft dieses Landes mitgestalten wollen? Einblicke in ihre Situation.

    "Meistens dauert es nur zwei Sekunden, bis man sich daran gewöhnt hat, dass meine Hautfarbe schwarz ist", sagt Elombo Bolayela. Dann geht alles den normalen Gang – Bolayela redet, Politiker-Kollegen hören zu. Auch sonst ist das Arbeitsleben des SPD-Abgeordneten, der seit 2011 in der Bremischen Bürgerschaft sitzt, Routine, wie er sagt: Ausschüsse, Arbeitspapiere, Debatten. Vor 20 Jahren war Bolayela ein Flüchtling aus dem Kongo, kämpfte jahrelang in Bremen um Asyl und sprach kein Wort Deutsch.

    Bolayela ist einer von fast 16 Millionen Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund – diese Zahl hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden jüngst vermeldet. Auch Politiker mit nichtdeutschen Wurzeln wie Bolayela sind hierzulande keine Seltenheit mehr: Cem Özdemir ist Bundesvorsitzender der Grünen. Serkan Tören sitzt im niedersächsischen FDP-Landesvorstand, Aydan Özoguz ist stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD. Weitere Beispiele sind Omid Nouripour (Grüne) und Sevim Dagdelen (Die Linke).

    [...]

    Aktionen wie die Bremer Integrationswoche zeigen, wie groß das öffentliche Interesse am Thema ist. Die Bremer Migrationsforscherin Yasemin Karakasoglu bestätigt: Gerade die Hansestadt sei in Sachen Integration sensibilisiert. Dafür spreche der Anteil der Abgeordneten mit Migrationshintergrund in der Bremischen Bürgerschaft, der bei 15 Prozent liege.

    Auch deutschlandweit ist ein positiver Trend zu verzeichnen, sagt Christine Langenfeld, Vorsitzende des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Allerdings seien Politiker mit Zuwanderungsgeschichte noch unterrepräsentiert. Langenfeld verweist auf eine Studie, derzufolge der Anteil der Abgeordneten mit Migrationshintergrund in den Stadtparlamenten deutscher Großstädte gerade einmal vier Prozent beträgt. Gemessen daran, dass 19,5 Prozent der Bevölkerung nichtdeutsche Wurzeln hätten, sei das relativ wenig.

    Dabei sind sie bei Parteien begehrt, sagt Forscherin Karakasoglu: Ein Migrations- und Integrationsexperte, der selbstgemachte Erfahrungen einbringe, wirke authentisch und sei für das Partei-Image förderlich. In der Tat: Bolayela bearbeitet das Thema Integration, Aygül Özkan ist Ministerin für dieses Gebiet. Für die Betroffenen selbst kann das aber auch Druck innerhalb der Partei bedeuten, meint Karakasoglu. Nicht jedem liege das Themengebiet automatisch, manche hätten einfach andere Schwerpunkte. Zwingt die Zuwanderer-Biografie dazu, zum Integrationsexperten zu werden? "Klar trägt das zur Glaubwürdigkeit bei", sagt Bolayela. "Trotzdem sind wir keine Ein-Themen-Fachleute." Bolayela beschäftigt sich beispielsweise noch mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Ministerin Özkan verweist darauf, für mehr als nur Integration zuständig zu sein.

    Manchmal ist es aber gerade der Migrationshintergrund, der öffentliche Wirkung verleiht. Als Salafisten im Mai 2012 den Koran verteilten, ging der türkischstämmige Grünen-Abgeordnete Memet Kilic in seinem Wahlkreis Pforzheim auf die Straße und verteilte das Grundgesetz. Die Aktion fiel auf: Ein Politiker mit rein deutschen Wurzeln war bisher nicht auf so eine Idee gekommen. Ist Memet Kilic damit ein Musterbeispiel gelungener Integration? Einer, der sein Bekenntnis zu Deutschland öffentlich-offensiv zeigt? Kilic selbst kommentiert nüchtern: "Integration heißt auch, die demokratische Grundordnung zu respektieren."

    Wie viele seiner Politiker-Kollegen ist Kilic zum Vorbild für hier lebende Migranten geworden. Bisweilen bringt das aber auch Schwierigkeiten. In der Aufregung um das Verbot von religiösen Beschneidungen verabschiedete der Bundestag im Juli eine Resolution, dass "medizinisch fachgerechte Beschneidungen" grundsätzlich zulässig sein müssten. Kilic hatte wie andere grüne Abgeordnete große Bedenken, forderte erst eine gründliche Debatte. Auch hält er ein Verbot von öffentlichen Vorführungen des umstrittenen Mohammed-Videos für unangebracht. Bei Teilen der türkischen Öffentlichkeit hat das zu Irritationen geführt, sagt Kilic. "Aber wir leben in einer Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit gilt."

    Eines fällt noch auf: Der Anteil der Politiker mit türkischen Wurzeln ist höher als der von Politikern mit beispielsweise spanischen oder italienischen Wurzeln. Zum einen liegt das daran, dass die türkische die mit Abstand größte Minderheit in Deutschland ist, sagt Forscherin Karakasoglu. Zum anderen seien hier lebende Spanier oder Italiener EU-Bürger und über Kommunal- und Europawahlen bereits mehr in politische Vorgänge eingebunden. "Vielleicht ist das Bedürfnis daher nicht so groß, sich aktiv an deutscher Politik zu beteiligen."

    Vor gut einem Jahr haben die Bremerinnen und
    Bremer ihre Bürgerschaft neu gewählt. Zu den neu
    gewählten Abgeordneten gehören Elombo Bolayela
    und Helmut Weigelt. Beide gehören der SPD-Fraktion
    an und engagieren sich auch in der Bremischen
    Evangelischen Kirche. Elombo Bolayela ist in der
    Markus-Gemeinde aktiv, wo er u.a. den „Chor ohne
    Grenzen“ leitet, Helmut Weigelt war lange Jahre
    Küster und Gemeindesekretär in der Evangelischen
    Kirchengemeinde in der Neuen Vahr, wo er heute
    dem Kirchenvorstand angehört. Beide verstehen sich
    als Abgeordnete mit christlichem Hintergrund – doch
    wie wirkt sich das in ihrer Politik aus? – Helmut
    Weigelt und Elombo Bolayela über ihre Erfahrungen
    in der bremischen Politik. [...]

    Gott und die Welt (RB) Sendung mit Untertiteln Stereo Kultur/Gesellschaft


    Sonntag, den 26. August 2012, 17:30 - 18:00


    Film 
    Herr Bolayela macht jetzt Politik 
    Vom Asylbewerber zum Volksvertreter 

    'Ich war noch nie in einem Parlament, habe noch nie mitregiert. Ich glaube, jeder kann das lernen.' Er ist eben kein Mainstreampolitiker, keiner der Politik als Beruf gelernt hat. Er kommt aus der Mitte der Gesellschaft, hat dennoch eine besondere Geschichte: Elombo Bolayela musste im Alter von 20 Jahren aus dem Kongo fliehen. Inzwischen ist er deutscher Staatsbürger, Farbenverkäufer in einem Baumarkt und das, was Politiker gerne 'integriert' nennen. Bei der letzten Bürgerschaftswahl in Bremen trat er als Kandidat für die SPD an, auf dem nicht sehr aussichtsreichen Listenplatz 41. Doch er bekam so viele Direkt-Stimmen, dass er als erster afrikanischstämmiger Abgeordneter ins Parlament einzog. 
    Marianne Strauch begleitet Elombo Bolayela in seinem ersten Jahr als Parlamentarier, zeigt ihn im Kreis der Familie, Nachbarn oder Freunde und erzählt in ihrer Reportage von einem, der auszog, seine Ideale der Chancengleichheit zu verwirklichen, aber auch vom klippenreichen Geschäft der Demokratie.

    Müll, den niemand haben will

    Von Yannic Wittenberg / Weserkurier

    Wenn alte Computer oder Fernseher kaputtgehen, entscheiden sich immer mehr Menschen aus Kostengründen gegen eine Reparatur. Dadurch entsteht immer mehr Elektroschrott, der zu großen Teilen nach Afrika verschifft wird. Dort aber sorgt der giftige Müll für große Probleme. Was man dagegen tun kann, das besprachen jetzt Schüler der Europaschule Utbremen mit Abgeordneten aus der Bremischen Bürgerschaft während einer Diskussionsrunde.

    Gastgeber und Gäste diskutieren in der Europaschule über Ursachen und Auswirkungen des Exports von Elektroschrott.

    Utbremen. In der gefüllten Schulaula im Schulzentrum Utbremen begrüßten die Schüler Lisa-Christin Kröger, Nadine Krey und Denis Schäfer zunächst ihre Gäste. Abgeordnete von SPD, Grünen und der Linken waren ihrer Einladung gefolgt, um über das Thema "Toxic City – Die Hintergründe des exportierten europäischen E-Schrotts nach Accra in Ghana" zu diskutieren. Zudem war auch der freie Fotograf Kai Löffelbein zu Gast. Sein Bild eines Jungen auf einer Mülldeponie in Accra wurde im vergangenen Jahr von der UNICEF zum Foto des Jahres ernannt.

    "Durch einen Zeitungsartikel und durch die Fotoreportage von Herrn Löffelbein wurden wir auf das Problem mit dem Elektroschrott aufmerksam", erklärte Denis Schäfer. "Wir finden, es ist ein ernstes Thema, über das man reden muss."

    Bevor allerdings die Diskussion eröffnet wurde, erläuterten die Schüler zunächst die Situation mit dem giftigen Müll in Afrika. Durch ihre extreme Armut sind dort viele Menschen gezwungen, auf den immer größer werdenden Deponien zu arbeiten, wie beispielsweise in Accra. Die giftigen Metalle, die in den Elektrogeräten verarbeitet sind, greifen dabei die Gesundheit der Arbeiter, die oft auch Kinder sind, massiv an.

    "Warum wird immer mehr von dem giftigen Müll nach Afrika exportiert, obwohl es doch eigentlich ein Verbot dafür gibt?", fragte Nadine Krey in die Expertenrunde und eröffnete damit die Diskussion. "Weil der Verkauf des Schrotts nun mal viel Geld bringt, gibt es viele Menschen, die nach Lücken im Gesetz suchen", erklärte Elombo Bolayela von der SPD. "Wenn zum Beispiel ein kaputter Rechner nicht als Schrott, sondern einfach als gebrauchter Computer deklariert wird, darf man ihn wieder exportieren", ergänzte Klaus-Rainer Rupp von der Linken. "Um das alles ganz genau zu kontrollieren, gibt es beim Zoll auch zu wenig Personal." Gegenmaßnahmen müssten aber nicht nur in Bremen oder in Deutschland getroffen werden, sondern auf europäischer Ebene, fügte Mustafa Kemal Öztürk von den Grünen hinzu. Als einzelnes Land habe man nicht viele Chancen, weil Firmen dann einfach auf Häfen in anderen Ländern ausweichen würden, um den Giftmüll loszuwerden.

    Aus dem Publikum kam daraufhin der Vorschlag, dass man auch die Bestimmungen in Afrika ändern und den Müll einfach nicht mehr annehmen könnte. "Das ist leider nicht so einfach", sagte Rupp. "Die afrikanischen Länder stehen unter einem großen Druck von außen. Sollten sie den Schrott nicht mehr annehmen, werden ihnen womöglich keine Kredite mehr gewährt, die sie dringend brauchen." Dem pflichtete auch Kai Löffelbein bei: "Das Problem liegt hier bei uns. Wir müssen unsere Bestimmungen, aber auch unsere Produktionsweisen ändern, um weniger Müll zu produzieren."

    "Wenn doch aber diese Grauzonen in den Gesetzen bekannt sind, warum ändert man sie nicht?", wollte Nadine Krey daraufhin wissen. "Das Problem ist, dass auch viele Lobbyisten aus der Wirtschaft bei diesen Entscheidungen mit am Tisch sitzen, die natürlich nichts mit dem Elektroschrott zu tun haben wollen. Sie wollen am liebsten nur verkaufen", meinte Öztürk. "Dadurch sind die Entscheidungsfindungen sehr komplex." Diese Begründung reichte Rupp aber nicht aus: "Auch wenn es manchmal nicht einfach ist, kann die Politik mehr bewegen als man denkt. Bei vielen fehlt dabei einfach der Wille, komplexe Themen anzugehen."

    Ein weiterer Zuhörer fragte, was man denn als einzelner Bürger gegen das Problem tun kann, und ob man sich überhaupt sicher sein könne, dass zum Beispiel beim Recyclinghof auch wirklich recycelt und nicht verschifft wird. "Ein wenig Vertrauen in unsere eigenen Institutionen müssen wir schon haben. Ich bin sicher, dass dort ordentlich gearbeitet wird, und daher ist es auch ein richtiger Weg, seinen Schrott zum Recyclinghof zu bringen", meinte Bolayela.

    Um die Menschen aber wirklich von den giftigen Mülldeponien herunterzuholen, müsse allerdings ein viel weitgreifenderes Problem gelöst werden – die Armut in Afrika, meinte Rupp. Denn die großte Not der Menschen sei es schließlich, die sie dazu treibt, diese gesundheitsschädlichen Arbeiten zu machen.

    Trotzdem erinnerte Öztürk zum Abschluss der Diskussion noch einmal daran, dass große Veränderungen immer klein anfangen: "Jeder einzelne kann etwas tun, indem er verantwortungsbewusst lebt, auch hier in Bremen."

    Nach dem Dank der Schüler für die lebhafte und interessante Diskussion gab es Beifall in der Aula. Das Publikum hatte die ganze Zeit interessiert zugehört und sich auch engagiert eingebracht. Auch die drei Schüler, die das Projekt vorbereitet hatten, zeigten sich nach der Veranstaltung sichtlich zufrieden. Sie hatten an diesem Tag nicht nur etwas Gutes für ihre Abiturnote getan, sondern mit der Diskussion auch ihren Mitschülern ein sehr wichtiges Thema nahe gebracht. Viele von ihnen werden es sich in Zukunft sicher zweimal überlegen, wo sie ihren kaputten Computer oder Fernseher entsorgen.

    Weserkurier vom 24.05.2012

    Koalition will Hürden senken

    Bremen. SPD und Grüne wollen die aktuelle Situation von ausländischen Hochschulabsolventen und Fachkräften verbessern.
    Aus diesem Grund haben sie die Initiative „Bremen braucht alle Köpfe – Perspektiven für ausländische Absolventen deutscher Hochschulen verbessern“ gestartet.
    „Die Hürden bei der Jobsuche sind für ausländische Absolventen einfach zu hoch.
    Das wollen wir ändern“, sagt Elombo Bolayela, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter.
    Daher fordere die Initiative eine Lockerung des Aufenthaltsrechts für diese Absolventen.
    Dabei solle unter anderem der Zeitraum zur Arbeitsplatzsuche von derzeit einem auf zwei Jahre erweitert werden. Genauso solle das Informationsangebot vereinfacht und leichter zugänglich gemacht
    werden, besonders für die ausländischen Studenten.
    Allein in Bremen gäbe es derzeit über 2000 ausländische Studenten, räumt der
    SPD-Politiker ein. Denen müssten auch nach Abschluss ihres Studiums noch genügend Perspektiven geboten werden, ergänzt Zahra Mohammadzadeh, migrationspolitische Sprecherin der Grünen. „Hochqualifizierte Fachkräfte dürfen nicht nur geduldet werden“, betont sie. Daher wurde bereits im Dezember vergangenen Jahres eine sogenannte Blue Card von der Bundesregierung beschlossen. Diese beschränke das Aufenthaltsrecht aber wieder nur auf maximal vier Jahre und biete so, nach Meinung
    von SPD und Grünen, keine dauerhaften Zukunftsaussichten. Mit einer Großen
    Anfrage an den Senat möchten sie nun erfahren, welche Auswirkungen die Einführung einer Blue Card, die dem Beispiel der amerikanischen Green Card folgen soll,auf Bremens Arbeitsmarkt haben könnte.

    [Weserkurier 10. März 2012]

    Perspektiven für ausländische Hochschulabsolventen und eingewanderte Hochqualifizierte verbessern

    Mit zwei parlamentarischen Initiativen wollen die Regierungsfraktionen von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen die aktuelle Situation ausländischer Hochschulabsolventen und Fachkräfte verbessern.

    „Die Hürden bei der Jobsuche sind für ausländische Absolventen deutscher Hochschulen einfach zu hoch. Das wollen wir ändern“, begründet Elombo Bolayela, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter seine Initiative . Bolayela weiter: „Wir brauchen endlich spürbare Erleichterungen im Aufenthaltsrecht für ausländische Absolventen. Der Zeitraum für die Suche nach einem Arbeitsplatz sollte von einem auf zwei Jahre verlängert werden. Und in dieser Zeit muss es ohne Einschränkungen möglich sein, sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Die geltende Mindesteinkommensgrenze von derzeit 66.000 Euro sollte auf 33.000 Euro abgesenkt werden“, so Bolayela. Der Senat solle sich dafür auf Bundesebene im Rahmen der anstehenden Reform des Aufenthaltsrechts einsetzen. Der SPD-Politiker weist darauf hin, dass allein an der Universität Bremen über 2.000 ausländische Studenten eingeschrieben sind. „Die meisten sind gut integriert und leben gerne in Bremen. Wir müssen gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, den Hochschulen im Land Bremen sowie der Handels- und der Handwerkskammer bessere Informationswege und Anlaufstellen schaffen, damit ausländische Absolventen in hiesigen Unternehmen einen Arbeitsplatz finden“, sagt Bolayela.

    Im Dezember 2011 hat die Bundesregierung beschlossen, eine Blue Card einzuführen, die eine Harmonisierung und Vereinfachung der Bedingungen für die Zuwanderung von Fachkräften in die EU zum Ziel hat. Der Entwurf der Bundesregierung sieht vor, eine auf maximal vier Jahre befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in Deutschland zuzulassen, vorausgesetzt, die Antragsteller können einen Arbeitsvertrag bzw. ein verbindliches Angebot eines Arbeitgebers mit einem Jahresgehalt von mindestens 44.000 Euro, bzw. 33.000 Euro in so genannten Mangelberufen, vorweisen. Diese Blue Card stellt für hochqualifizierte Fachkräfte mit Familien keine Perspektive für eine Lebensplanung in Deutschland dar. Trotz der Absenkung des vorausgesetzten Jahreseinkommens sieht das Gesetz eine Zeitbegrenzung der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis vor. Dazu erklärt die migrationspolitische Sprecherin der Grünen, Zahra Mohammadzadeh: „Die Bundesregierung hat nicht aus den Erfahrungen mit der Green Card gelernt. Hochqualifizierte Fachkräfte dürfen nicht ‚geduldet‘ werden, sondern es muss ihnen eine aufenthaltsrechtliche Perspektive und eine Einladung zur Einbürgerung angeboten werden.“ Mit ihrer Großen Anfrage will die Grünen-Politikerin erfahren, welche möglichen Spielräume der Senat trotz der restriktiven Vorgaben bei der Umsetzung in Bremen sieht.

    Beide Initiativen sind dieser Erklärung angefügt.

    André Städler und Matthias Makosch

    SPD Bündnis 90/DIE GRÜNEN

    0421-336 77 35 0421-3011 240

     

    [Quelle:Gemeinsame Pressemitteilung der Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN  Bremen, den 7.3.2012]

     

    Unbekannte Fähigkeiten entfaltet

    VOLKER ALTHOFF UND ULRIKE TROUE

     In 20 Workshops haben rund 300 Schülerinnen und Schüler der Allgemeinen Berufsschule (ABS) am Steffensweg in der vergangenen Woche kreative Ideen entwickelt und umgesetzt. Bei der Abschlusspräsentation in der Kulturwerkstatt Westend haben sie vielfältige Ergebnisse vorgestellt: Gesangseinlagen, Tänze, Hip-Hop, Rap, eine Fotodokumentation sowie malerische und gestalterische Arbeiten.

    Walle. Viel Lob heimsten die Schülerinnen und Schüler für ihre ideenreichen Projekte von Schulleiter Frank Grönegreß ein. Sie hätten eine Woche lang gezeigt, was Kreativität bedeute. Auch der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Elombo Bolayela, der sich in den Bereichen Integration, Gleichstellung und Bildung engagiert, war von den Arbeitsergebnissen beeindruckt: "Ihr macht tolle Projekte und leistet gute Arbeit."

    Der Ehrengast war ein leuchtendes Beispiel dafür, dass sich Anstrengung und Mitmachen lohnt. Der in Kinshasa geborene Pastorensohn skizzierte kurz seinen Lebensweg. Er beschrieb, wie schwer es ihm fiel, als er vor 19 Jahren als Asylbewerber nach Deutschland gekommen war, nicht zur Schule gehen und nicht studieren durfte. Allen Widrigkeiten zum Trotz habe er gekämpft, die deutsche Sprache erlernt und sich engagiert. "Mitmachen, das ist wichtig! Den Kopf heiß machen und Engagement zeigen! Ihr schafft das!", appellierte Elombo Bolayela an die Schülerinnen und Schüler.

    Lob für hohes Engagement

    Die zeigten zum Beispiel Einsatz auf der Bühne. Die Mitglieder der Reggae-Band "The ambitionary sounds" spieltenTrommeln, Gitarren, Keyboard und Rasseln und sangen Lieder unter dem Motto "Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum".

    Damit sich der ein oder andere Wunsch vielleicht erfüllen lässt, überreichte Andre- Michael Schultz vom Rotary-Club Bremen einen Scheck über 3000 Euro. "Junge Leute sind zusammengekommen, die sich vorher nicht kannten. Sie malten Bilder, tanzten und zeigten, was für Ideen sie haben. Es ist sehr interessant, was ihr geleistet habt", bemerkte er voller Anerkennung. Und dafür erntete er stürmischen Beifall von den vielen Jugendlichen, die sich um die Bühne versammelt hatten und den Auftritt der Rapper "Dexter" und "Kaplan" entgegenfieberten.

    Letztgenannter heißt mit richtigem Namen Haktan Calikli und sang ein türkisches Lied vom Weggehen. Es ist zu Hause an seinem Computer entstanden. "Ich hatte einen schlechten Tag und habe dann ein paar Texte geschrieben", gesteht "Kaplan". Daraus sei ein Hobby geworden, dem er nun auch in der Schule nachgehen konnte. Singen ist ebenfalls für Alexander Liebknecht eine Leidenschaft. Er hat seine Stimmgewalt mit seinem Song "Es tut mir leid" bewiesen. Viele Mitschüler hätten gesagt, seine Stimme sei sehr schön, sagt der Schüler. "Das hat mir sehr viel Kraft und Selbstvertrauen gegeben." Zudem hat er Schulleiter Grönegreß überrascht. Der hat durch den Auftritt eine ganz neue Seite von Alexander kennengelernt.

    Auch seine Kollegin Barbara Soika entdeckte bei den Kreativtagen bislang im Schullalltag noch nicht zutage getretene Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler. Sie hat die Tanzgruppe "Latin Dance" begleitet. Dabei ist ihr aufgefallen, dass viele Jugendliche "musisch begabt sind und sich sehr gut bewegen können". Das hat zum Beispiel Patrick Hermann gezeigt, der mit seinen Mitschülern heiße Salsarhythmen aus Lateinamerika auf die Bühne brachte. "Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe dabei viele Mitschüler und neue Freunde kennengelernt." Seine Schwester Steffi war im Publikum und vom Bruder beeindruckt: "Er hat sehr gut getanzt. Aber auch die anderen Gruppen haben sich sehr viel Mühe gegeben."

    Dass die Schüler in der Kreativwoche gemeinsam Spaß und Erfolge hatten, ist neben vielen Unterstützern der stellvertretenden Schulleiterin Erika Bosecker zu verdanken. Sie hat vor zehn Jahren mit dem "Westend" die Kreativtage an der ABS ins Schulleben gerufen. "Aus 20 Workshops, die unter anderem externe Künstler sowie Studenten der Hochschule für Künste anleiteten, konnten wir ein ganz buntes Programm darstellen", freute sich Bosecker. Zu den Angeboten zählte traditionelle Gallions- und Tierfiguren aus Holz wie einen Haifisch oder einen Jaguar herstellen. In diesem Workshop konnten sich die Jugendlichen "selbst verwirklichen und in das Holz hinein prägen, was sie gerne machen wollten", erklärt Jan Thiele. Der Lehrer für Politik und Wirtschaft hat die Gruppe begleitet. Die Kunststudentin Safarian Gilda von der Fachhochschule Ottersberg leitete die Teilnehmer des Improtheaterworkshops an. Sie beobachtete: "Anfangs waren einige sehr schüchtern, aber mit der Zeit hat sich eine

    'coole' Gruppe gebildet. Zum Schluss waren sie mit Begeisterung dabei. Das fand ich sehr positiv."

    [Quelle: Weserkurier 17.11.2011]

    Wenn junge Flüchtlinge einen Beruf lernen wollen

    Unsichtbare Mauern müssen Flüchtlinge überwinden, um in Deutschland Fuß zu fassen. Elombo Bolayela (SPD), selbst als Asylbewerber nach Deutschland gekommen und heute Bremer Bürgerschaftsabgeordneter, sprach mit Jugendlichen.

    Sie kommen aus Afrika, Mazedonien oder dem Iran, sie sind noch keine Zwanzig, einige von ihnen haben Schreckliches erlebt. Manche leben ohne ihre Eltern in Bremen. Und in den meisten Fällen wissen sie nicht mal, wie lange sie hier noch bleiben dürfen. Die jungen Leute, die an der Allgemeinen Berufsschule (ABS) in Walle Deutsch lernen, haben einen verdammt schweren Start ins Erwachsenenleben.Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Elombo Bolayela, der selbst als Asylbewerber nach Deutschland kam, traf sich jetzt mit einigen von ihnen, um sich über ihre aktuelle Situation zu informieren.

    „Du willst was schaffen hier, aber du weißt nicht, wie das geht“, so eine junge Frau aus Gambia, die seit knapp zwei Jahren in Deutschland ist. Hotelfachfrau möchte sie werden, vorher die deutsche Sprache lernen, einen Schulabschluss machen. Andere wollen in soziale Berufe, als Stewardess arbeiten, Mechaniker werden oder Ingenieur.

    Sprache öffnet Türen
     An der ABS können sie sich – wie viele andere Jugendliche ohne ihre spezielle Geschichte – beruflich orientieren und Schulabschlüsse nachträglich erwerben. „Nutzt diese Möglichkeit! Ein Abschluss bietet euch Perspektiven! Und die deutsche Sprache öffnet euch dabei viele Türen!“, rief SPD-Abgeordneter Bolayela den Jugendlichen zu.

    Doch auch die „Erwachsenen“ – sprich: Politik und Verwaltung – müssten sich darum kümmern, dass diese überhaupt Chancen haben, eine Ausbildung anzutreten. Denn der unsichere Aufenthaltsstatus der Flüchtlinge ist ein praktisch unüberwindliches Hindernis bei der Ausbildungsplatzsuche. Und nicht jeder von ihnen will an die Berufsschule für Metalltechnik in der Reiherstraße, wo es auch ohne gewerblichen Ausbildungsbetrieb geht.

    Und es gibt noch andere Hürden: Er habe in seiner Heimat als Goldschmied gearbeitet, berichtete ein junger Afghane. Jetzt würde er in Deutschland gern eine anerkannte Ausbildung in seinem Beruf machen – dürfe aber wegen seines Aufenthaltsstatus’ Bremen nicht verlassen. Hier gebe es aber keine Ausbildungsmöglichkeiten für ihn.

    „Viele diese Schüler haben eine Menge Probleme und oft massive Existenznöte. Ihre Lebenserfahrung ist ihre große Stärke und zugleich ihre schwerste Belastung“, sagte Schulleiter Frank Grönegreß im Gespräch mit Bolayela. Viele von ihnen seien therapiebedürftig. „All dies stürmt auf unsere Pädagogen ein“, so Grönegreß. Sozialpädagogische Unterstützung sei aus diesem Grund ausgesprochen wichtig.

    Sozialpädagogen wichtig
     Dies sei auch Bildungs- und Sozialressort klar. Nur gebe es bislang keine Einigung, wie künftig Sozialpädagogenstellen an der ABS finanziert werden sollen. In die „Berufswahlvorbereitungsklassen“ mit Sprachförderung, die Bolayela besuchte, gehen immerhin über 100 Jugendliche.

    Zur Zeit gibt es dort noch eine befristete 30-Stunden-Stelle für eine Sozialpädagogin. Ein sozialpädagogisches Projekt des DRK („Passage“) an der Schule läuft gerade aus. „Wir brauchen unbedingte zwei volle Stellen für diesen Bereich“, heißt es aus der Schulleitung. Das Problem dürfe nicht weiter „hin- und hergeschoben“ werden.

    Elombo Bolayela kündigte an, er werde sich dafür einsetzen, dass die Allgemeine Berufschule bald Klarheit bekommt, wie die notwendigen Sozialpädagogenstunden ermöglicht werden können. Der SPD-Abgeordnete: „Die Jugendlichen mit ihrem Wunsch, etwas aus ihrem Leben zu machen, verdienen es, unterstützt zu werden. Sie dürfen nicht immer wieder gegen unsichtbare Barrieren laufen.“

    [Quelle: MIGAZIN 18.10.2011]

    Ein erster Schritt in Richtung Zukunft

    Von Elina Hoepken
    Gröpelingen·Walle. "Nachwuchskräfte gesucht" prangt in großen Buchstaben auf der Plakatwand an der Unterführung Doventorsteinweg. Aufgeregt steht eine Schulklasse davor und blickt stolz auf das Bild, denn dabei handelt es sich nicht um eines der üblichen Werbebanner. Die achte Klasse der Gesamtschule West hat das Plakat selbst entworfen.

    Im Rahmen des Projekts "Vertiefte Berufsorientierung" (VBO), das im Auftrag der Agentur für Arbeit von der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WaBeQ) organisiert wird, haben die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule West in einer Projektwoche das Plakat gemeinsam mit der Künstlerin Brigitte Schumacher erstellt. "Die Kinder haben sich die Motive selbst ausgedacht und in Gesprächen untereinander ausgearbeitet", sagt Brigitte Schumacher. So sind auf dem Plakat unter anderem Spielkarten zu sehen, die für die Schülerinnen und Schüler eine besondere Bedeutung haben.

    "Die Wahl des Berufs ist wie die Wahl der richtigen Karte beim Kartenspiel. Man muss genau überlegen, welche Karte man zieht", erklärt die Künstlerin und Projektleiterin. Und auch Jan Middelberg, Schüler der achten Klasse, glaubt: "Je früher man anfängt, sich auf die Berufswahl vorzubereiten, desto besser."

    Aktion hat Pate

    Pate der Plakataktion ist Elombo Bolayela, Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. "Ich finde das Projekt sehr wichtig, weil es Jugendliche motiviert, sich mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen", sagt Elombo Bolayela. "Die jungen Menschen müssen selbst etwas tun. Das ist die Basis für alles Folgende."

    Das Entwerfen eigener Plakate ist nur eine von vielen verschiedenen Veranstaltungen, die die WaBeQ in Walle und auch bremenweit für junge Leute anbietet. "Mit Schülern der achten bis zehnten Klasse machen wir Betriebsbesichtigungen, erstellen gemeinsam Bewerbungsmappen oder üben das richtige Auftreten bei Bewerbungsgesprächen", erzählt Ernst Schütte, Geschäftsführer der WaBeQ. An insgesamt sieben Schulen im Bremer Westen werden diese Angebote momentan realisiert. "Die Jugendlichen sollen durch unsere Module merken, dass es Spaß macht, sich mit der eigenen Berufswahl auseinanderzusetzen. Sie sollen durch unsere Projekte angeleitet werden, sich selbst Gedanken zu machen", sagt Schütte.

    In dieser Hinsicht sei der Standort des Plakats auch ganz bewusst gewählt. In direkter Nähe des Berufsinformationszentrums (BIZ) sei es eine Art Wegweiser für die jungen Leute. "Viele Schüler kennen häufig nur einen Bruchteil der Ausbildungsberufe, und hier haben sie die Möglichkeit, alle kennenzulernen", motiviert Carla Brunotte, Leiterin der Berufsberatung die Jugendlichen. Bis heute wird das selbstgestaltete Plakat noch an der Unterführung Doventorsteinweg zu sehen sein. Ein weiteres hängt außerdem Beim Ohlenhof in Gröpelingen.

    [Quelle: Weserkurier 10.10.2011]

    Gute Karten

    Von Tobias Meyer
    WEST. Ob die erste große Liebe, der alltägliche Krach mit den Eltern oder andere pubertäre Verirrungen: Achtklässler beschäftigen sich mit vielem, aber meist kaum mit ihrer beruflichen Zukunft. Mit dem Angebot einer „Vertieften
    Berufsorientierung“ (VBO) der Waller Beschäftigungsgesellschaft WaBeQ soll sich das ändern. Zwei Plakate sind jetzt die ersten Resultate des Projektes, bei dem Schüler für eine Ausbildung begeistert werden sollen.

    „Wer sich früh mit einer Ausbildung auseinandersetzt, der
    hat später die besseren Karten“,meint Brigitte Schumacher, währendhinter ihr mit etwas Kleisterein Plakat an die Wand desDoventorsteintunnels geklebt
    wird. Stück für Stück wird dasMotiv zusammengesetzt, dassdie Kunstpädagogin gemeinsammit Schülern der Gesamtschule
    West gestaltet hat: Drei Kartenstehen dabei im Mittelpunkt.
    Pik-Zehn, Herz-Bube, Karo-Ass. Auf den ersten Blick wirktdie Kombination nicht geradewie eine Glückssträhne. Aberim Spiel des Lebens komme es
    darauf an, dass die Karten immerwieder gemischt werden,ist für jeden etwas dabei.“
    Um dieses Bewusstsein gehe es auch Ernst Schütte von der WaBeQ. „Viele wissen gar nicht, wie viele Ausbildungsmöglichkeiten es eigentlich in Deutschland gibt“, so der Geschäftsführer der Qualifizierungs-
    Initiative. Über 350 Lehrberufe bieten demnach derzeit die Möglichkeit
    für Schüler, einen Beruf zu wählen, der sie begeistert.
    Und auch, wenn die Gesichter der Achtklässler noch nicht wirklich Vorfreude
    auf den Beruf ausstrahlen – Spaß gemacht habe den Kindern die Aufgabe
    und vor allem die künstlerischeGestaltung trotzdem, weiß der Bürgerschaftsabgordnete und Projektpate Elombo Bolayela(SPD), der sich vor Ort selbst ein Bild gemacht hat. Er habe die Schüler in der Projektwoche besucht und ihnen erzählt, wie wichtig seiner Ansicht nach eine Lehre ist: „Die Gesellschaft braucht vor allem Ausbildung, sie ist eines der bedeutenden Fundamente in unserem Land“,so der Politiker. Er halte es für richtig, zuerst einen Beruf zu erlernen und dann zu studieren, damit „man auf jeden Fall etwas
    in der Tasche hat“. Dass Achtklässler diesen Ansatz nicht sofort mit Begeisterung für sich erkennen, weiß auch Carola Brunotte, Leiterin der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit. „Deswegen versuchen wir, die Schüler bereits früh zu erreichen und sie für eine Ausbildung zu sensibilisieren“, sagt sie. Mit Selbstfindungstests, Betriebsbesichtungen, Computerkursen
    und gemeinsam erstellten Bewerbungsmappen wolle man den Kindern und Jugendlichen bis zur zehnten Klasse helfen, sich zu orientieren – immer getreu
    dem Motto „Zeig, was Du kannst“, dass sich auch auf den Plakaten findet.
    Sieben BremerSchulen werden derzeit von dem Programm der WaBeQ betreut.
    Mit Erfolg: „9100 Schüler haben bereits teilgenommen“, so Geschäftsführer Schütte.
    Dank mehr als 800 Veranstaltungen und Aktionen habe man mittlerweile viele Jugendliche nach ihrer Schullaufbahn in eine Ausbildung führen können.

    [Quelle: Bremer Anzeiger 10.09.2011]

    Über 14000 Euro für Grundschule in Mali

    Von Kerstin Thompson
    Peterswerder. Solidarität, großartiger Einsatz und sportlicher Teamgeist: Das war das Motto im Sportgarten. 650 Schülerinnen und Schüler der GSM (Gesamtschule Mitte) haben sich für Kinder und Jugendliche in Afrika eingesetzt. Mit einem Spendenlauf sammelten sie für eine Grundschule, die in Komanfara (Mali) gebaut werden soll. 29 Klassen beteiligten sich.

    Jeanne, Greta und Daria hatten sich knallbunte Shirts mit der Aufschrift "Run for Mali" übergestreift und demonstrierten damit, wofür sie sich einsetzen und was ihnen am Herzen liegt. Sie gehören zum neunten Jahrgang, der das Afrika-Projekt zusammen mit Lehrer Eckardt Kreye organisiert und vorbereitet hat. "Gleich wollen wir losdüsen", sagten sie hochmotiviert und gut gelaunt.
    Vor dem Start der Fünft- bis Zehntklässler sprachen Elombo Bolayela, der im Mai als erster afrikanischstämmiger Abgeordneter in die Bürgerschaft gewählt worden ist, und Virginie Kamche, die erste Vorsitzende der Fondation RISSALA und Koordinatorin des Afrika Netzwerks Bremen. Beide zeigten sich sehr beeindruckt von der Aktion der Schüler und Schülerinnen.

    Elombo Bolayela

    Elombo Bolayela, Vater von fünf Kindern im Alter von acht bis 21 Jahren, erzählte den Jugendlichen von seinem eigenen Werdegang, der ihn vor 19 Jahren als Asylbewerber nach Bremen führte. Einer Stadt, die offen sei. Er selbst sei im Kongo geboren, nur ein paar Kilometer entfernt von Mali. "Wir haben es gut hier, dass wir kostenlose Schulen haben, dass wir kostenlos lernen können und dass wir unsere Träume verwirklichen können", sagte er den Schülern. Und er bedankte sich für das Engagement der jungen Menschen. "Solche Projekte unterstütze ich gerne", betonte er. "Ich finde es gut, dass die Schüler anderen armen jungen Menschen, die weniger haben, in Mali helfen möchten. Wir brauchen die Solidarität mit anderen, die nicht so viel haben wie wir."

    Virginie Kamche

    Auch Virginie Kamche lobte den Einsatz der Schülerinnen und Schüler für Afrika. "Ihr unterstützt einen wichtigen gesellschaftlichen Bereich nämlich den Bereich der Bildung und Gesundheit, Bildung sei die Voraussetzung für Gesundheit, insbesondere für Frauen", sagte die Schirmherrin des Projektes.
    Mali sei eines der ärmsten Länder der Welt, von den schulpflichtigen Kindern gehe nicht mal die Hälfte zur Schule, weil viele arme Familien das Schulgeld nicht bezahlen könnten. In Afrika zur Schule zu gehen, bedeute sehr viel: grundlegende Bildung, Gesundheit, und Teilhabe an der Welt. "Gegen Ungerechtigkeit in Afrika helft ihr mit eurem Spendenlauf", sagte die Vorsitzende. "Ich wünsche mir, dass alle Kinder Partnerschulen in Afrika haben." Dann war Mamadou aus Bamako (Mali) in einer Videobotschaft zu sehen und zu hören. Über ihn ist der Kontakt zu dem Dorf Komanfara hergestellt worden. Das Dorf braucht eine Grundschule. Die Kinder laufen täglich acht Kilometer zur Schule im Nachbardorf und zurück - meistens barfuß.
    Auf Einladung des Goetheinstitutes kam der Deutschlehrer 2008 nach München. Anschließend lud ihn die GSM für vier Wochen nach Bremen ein. Gemeinsam mit Jutta Brockhaus, die auch im Sportgarten dabei war, bot Mamadou in einer Projektwoche für die Schülerinnen der GSM ein Mali-Projekt an. Sowohl für das LSK (Lycee Soundiata Keita in Bamako), als auch für den Schulaufbau Komanfara. Er ermutigte über sein Video alle seine Freude, nach Mali zu kommen. "Wir sind arm, aber wir sind gastfreundlich." Und dann gab er den Schülern mit auf den Weg: "Mein Herz ist bei euch - ihr könnt es schaffen."
    Mit dieser Botschaft starteten die Jahrgänge der GSM in kurzen Abständen zum Spendenlauf. Die Strecke ging vom Sportgarten über die Erdbeerbrücke, an der Weser lang bis zu Café Sand. Hal över brachte die Kinder und Jugendlichen kostenlos auf die andere Weserseite und dann liefen die Klassen an der Weser zurück zum Sportgarten. Eine Runde umfasste sechs Kilometer.

    Svea will was tun

    Die 14-jährige Svea aus der neunten Klasse kündigte im Sportgarten über das Mikrofon an, wer als nächstes an den Start ging. Ihr Traum ist es, im November 2011 mit anderen Schülerinnen und Schülern des Afrika-Projektes nach Mali zu fliegen, in das Dorf Komanfara zu reisen und dort vor Ort noch mitzuhelfen und die Schule mit einzuweihen. "Ich finde es wichtig, dass man überhaupt mitbekommt, dass man was tun kann", sagte Svea. "Ich glaube, dass es eine riesige Erfahrung ist, andere Welten kennenzulernen." Schon seit mehreren Jahren hat die GSM in Unterrichtssequenzen, Projekten und anderen Aktionen wie Spendenläufen den Blick auf den afrikanischen Kontinent gerichtet. Oft ging es darum, bestimmte Projekte vor Ort zu unterstützen.
    Eckardt Kreye hofft, demnächst in Mali jemandem einen dicken Scheck zu überreichen. Es sieht nach dem Spendenlauf gut aus. "29 Klassen sind gelaufen, von 15 Klassen sind die errechneten Sponsorengelder beim jetzigen Stand: 14 000 Euro - das ist Wahnsinn!", freut er sich mit allen Beteiligten. "Mit der zu erwartenden Summe kann die Schule gebaut werden." Kreye ist froh über die Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk Dritte Welt., insbesondere mit Hauke Nagel. Das KHW werde die Bauleitung und die finanzielle Abwicklung im Mali sichern.
    Spendenkonto: Schulförderverein der Gesamtschule Mitte, Konto-Nummer 11037991, Sparkasse Bremen, (Bankleitzahl 290 501 01) Verwendungszweck: Mali-Projekt.

    [Quelle: Weserkurier 16.06.2011]

    Erzählcafé für Migranten und alteingesessene Syker

    Von Jörn Dirk Zweibrock

    Syke. Die Förderung von Bildung, Kultur, Denkmalschutz sowie den politischen und kulturellen Dialog zwischen den ethnischen und sozialen Gruppen der Bevölkerung hat sich der Verein Rund ums Syker Rathaus auf die Fahnen geschrieben. Mit der Veranstaltungsreihe Erzähl-Café möchte der Verein eine neue Begegnungskultur in der Hachestadt einläuten. Migranten und alteingesessene Syker sollen sich beim Gespräch im Café Alte Posthalterei (Waldstraße 3) austauschen. Über ihre Wurzeln, ihr neues Zuhause. Auch Konflikte und Ängste sollen dabei nicht ausgespart, Hoffnungen thematisiert werden. "Wir wollen Mut machen, Nachbarschaften zu pflegen, auch über kulturelle und soziale Unterschiede hinweg", sagt Johannes Huljus vom Verein Rund ums Syker Rathaus. Hans trifft Ahmed, Lisa Pjotr und so weiter.

    Das Erzähl-Café beginnt jeweils um 19.30 Uhr im Café Alte Posthalterei, im Volksmund auch als Waldstraße 3 bekannt. Der Vortrag mit Bildern über die "Christliche Missionsarbeit in Tansania - heute noch zeitgemäß?" macht am morgigen Donnerstag den Auftakt. Winfried und Regina Schwatlo referieren über das ostafrikanische Land. Eine Woche später, am 16. März, erzählt Ruth Elbert von ihrer Reise nach Israel. In ihrem bebilderten Vortrag "Mein Vater lebt in Israel" schildert sie ihre Eindrücke. "Ein anderer Blick - Migrantinnen im Landkreis Diepholz" lautet der Titel der Lesung von Anahita Latifi aus Syke. Darin berichtet sie auch über ein aktuelles Schulprojekt in Kabul, welches von afghanischen Familien aus Syke sowie dem Syker Integrationsbeirat unterstützt wird.
    Wilhelm Tesch, Pastor im Ruhestand, interviewt am Donnerstag, 14. April, Samuel Elombo Bolayela aus der Demokratischen Republik Kongo, dem ehemaligen Zaire. Der gebürtige Afrikaner tritt für die SPD zur Bremer Bürgerschaftswahl am 22. Mai an. Elombo Bolayela berichtet Wilhelm Tesch beim Erzählcafé über seinen Weg aus Zaire über Syke nach Bremen sowie seinen Wunsch, Politik mitzugestalten. Catrin Schreiber entführt die Gäste am Donnerstag, 28. April, in den Jemen. Ihr Vortrag mit Bildern heißt "Jemen, Entwicklungszusammenarbeit in unruhigem Umfeld". Gerhard Thiel und Ute Wicke von der Volkshochschule des Landkreises Diepholz berichten am Mittwoch, 18. Mai, darüber, was die VHS zur Förderung der Integration von Migranten im Landkreis Diepholz unternimmt. Die weiteren Termine des Erzählcafés im Café Alte Posthalterei werden noch bekanntgegeben.

    Quelle: Weserkurier  09.03.2011

    1. Vom Flüchtling zum Volksvertreter: Bremes 1. schwarzafrikanischer Abgeordneter

     

     

    Sendezeit: 12.07.2011 08:19

    Autor: Selzer,Christina

    Programm: Deutschlandradio Kultur

    Sendung: Reportage

    Länge: 06:14 Minuten

     

     

    Bolayela vor laufender Kamera im Plenum, beim Fototermin mit seiner Frau, im Gespräch bei einer Tasse Kaffee im Foyer. Das Interesse richtet sich auf den Mann, der nach Studentenunruhen aus dem Kongo geflohen ist und deshalb einen ganz persönlichen Blick auf den Wert von Demokratie hat. Elombo Bolayela ist einer von 83 Politikern, die gestern im Parlament Platz genommen haben. Ein Rekord: 32 von ihnen sind Neulinge.

    Luisa-Katharina Häsler war am Tag eins ihrer parlamentarischen Arbeit aufgeregt. Und auch ein bisschen stolz, es in jungen Jahren ins Plenum des Parlaments geschafft zu haben. Die 21-jährige CDU-Abgeordnete setzte sich an diesem Vormittag ans Pult mit ihren Namensschild, direkt neben dem ehemaligen Innen-Staatsrat Thomas vom Bruch. „Alles ist total spannend und total neu.“ Häsler kommt aus dem Nachwuchsförderprogramm der CDU und ist früh an aussichtsreicher Stelle auf der Kandidatenliste platziert worden.

    So ist sie zwar einerseits vorbereitet auf ihren neuen Job im Parlament, findet aber dennoch, dass es ein Sprung ins kalte Wasser ist. Die Politikerin hat sich aus den CDU-Querelen der vergangenen Wochen herausgehalten. Anstrengend seien die Auseinandersetzungen gewesen. „Und ich hoffe, dass es jetzt mit der inhaltlichen Arbeit wieder losgeht.“ Schließlich komme der CDU als der einzigen bürgerlichen Opposition im Parlament eine besondere Bedeutung zu.

    Schön und Ravens im Vorstand

    Dabei stellte sich der Auftakt zur 18. Legislaturperiode denkbar unspektakulär dar. Der CDU-Politiker Erwin Knäpper aus Bremerhaven hatte die Sitzung als Alterspräsident eröffnet. Er wies in seiner Rede darauf hin, dass durch das neue Wahlrecht viele neue Abgeordnete und mehr Mandatsträger mit Migrationshintergrund ins Parlament gekommen sind: „Unser Haus ist bunter geworden. Das ist gut so.“

    Die Abgeordneten stimmten über eine neue Geschäftsordnung ab und wurden dann zu drei geheimen Wahlgängen für das Präsidium aufgerufen. Das war zäh und zog sich in die Länge.

    Für Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) gab es dennoch einen guten Start in die neue Amtszeit. Weber ist bereits seit zwölf Jahren in dieser Funktion. Sein Ergebnis wurde im Anschluss als Vertrauensbeweis gewertet: 72 Abgeordnete sprachen sich für ihn aus, sieben gegen ihn und vier enthielten sich. „Für mich ist dieses Ergebnis eine Verpflichtung. Ich bin mir der Bedeutung meines Amtes bewusst“, sagte er im Anschluss. Weber, der in dieser Woche 65 Jahre alt wird, versteht sich einerseits als politischer Präsident, versprach andererseits auf die Überparteilichkeit zu achten.

    An Webers Seite agieren im künftigen Vorstand des Parlaments als Vizepräsidentinnen Silvia Schön (Grüne) und Bernd Ravens (CDU). Die neuen Schriftführerinnen heißen: Ulrike Hiller (SPD), Manuela Mahnke (SPD) und Zahra Mohammadzadeh (Grüne). Cindi Tuncel wurde von der Linksfraktion für den Vorstand bestimmt, er hat in dem Gremium allerdings kein Stimmrecht.

    Profi und Neuling

    Antje Grotheer (SPD) ist beides – Profi und Neuling. Und auch sie sagte: „Ich bin tierisch aufgeregt.“ Für die 44-Jährige begann die politische Karriere im Alter von zehn Jahren als Klassensprecherin. Weitere Stationen: Sie gehörte zum Gründungsvorstand der Bundesschülervertretung, trat mit 18 in die SPD ein, studierte Jura und war persönliche Referentin von Bildungs- und Innensenator Willi Lemke. Jetzt arbeitet sie als Juristin im Innenressort. Diesen Job will sie behalten, allerdings reduziert auf 20 Wochenstunden.

    Durch ihre Tätigkeiten kennt Antje Grotheer die Abläufe und Verfahrensweisen im parlamentarischen Alltag, auch wenn sie sie bisher von der Verwaltungsseite erlebt hat. Dennoch lässt sie keinen Zweifel daran, dass es aus ihrer Warte eine klare Rollenverteilung gibt: Die Vorgaben müssen aus der Politik kommen, die Verwaltung muss für die Umsetzung sorgen.

    Weinhändler und Beiratssprecher

    Der Grüne Ralph Saxe ist Weinhändler mit einem Geschäft in der Wachmannstraße, und er bietet den einzigen Wein aus Bremer Trauben an. Im vergangenen Jahr, sagt er, seien es 160 Flaschen gewesen. Saxe ist aber zugleich Politiker, war acht Jahre im Schwachhauser Beirat und vier Jahre davon Sprecher. „Ich habe versucht, glaubhaft zu bleiben“, sagte Saxe über diese Zeit und nimmt dies auch als Vorsatz mit ins Parlament.

    Er ist an diesem ersten Tag überzeugt, dass viel Neues auf ihn zukommt. Offenbar traut ihm aber auch seine Fraktion einiges zu: Obwohl ein Neuling, wurde er bereits am Montag zum verkehrspolitischen Sprecher gewählt. „Ich habe mich nicht wählen lassen, um hier zu sitzen, sondern um aktiv Politik zu machen“, so der 52-Jährige. „Ich bin immer noch neugierig.“

    Eine kleine Panne am Rande traf gerade die Anfänger: Die neuen Abgeordneten mussten die Sitzungsperiode ohne ihr Gehalt beginnen. Grund dafür war nach Informationen dieser Zeitung, dass die nötigen Daten erst spät bei performa nord vorlagen, dem Personaldienstleister der Stadt. Inzwischen, hieß es gestern, sei alles von Hand abgerechnet und überwiesen; die Diäten seien auf dem Bankwege. Die Abgeordneten, die bereits in der vorigen Legislaturperiode im Parlament saßen, haben nur einen Abschlag erhalten und bekommen jetzt noch eine Nachüberweisung. Auch dieses Geld sei an den nächsten Tagen auf dem Konto, hieß es.[...] (Quelle: WK 30.6.2011)

    In seinem Beschluss vom 9. Mai tritt der SPD-Parteivorstand dafür ein, verstärkt Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte für die Sozialdemokratie zu gewinnen und auf allen Ebenen zu fördern. Wie das gelingen kann, war Thema einer Fachkonferenz in Berlin.

    Man könnte sagen, dass Elombo Bolayelas Lebensgeschichte den gewohnten Rahmen des Begriffs „Migrationshintergrund“ sprengt. 1992 erreichte er die Bundesrepublik als Asylbewerber aus dem Bürgerkriegsland Kongo. Nun zieht er für die SPD als erster afrikanischstämmiger Abgeordneter in die Bremer Bürgerschaft ein.

    Der 45-Jährige ist einer von knapp 400 Abgeordneten und Parteimitgliedern mit ausländischen Wurzeln aus Bund, Ländern und Kommunen, die am Samstag ins Willy-Brandt-Haus gekommen sind, um über den Stand der Integration in der SPD zu diskutieren. Die Veranstaltung unter der Überschrift „Für eine vielfältigere SPD – mehr Migrantinnen und Migranten in Mandate“ näherte sich dem Thema in zwei Panels: Welche Erfahrungen machen Migrantinnen und Migranten in der SPD, welche Probleme und Chancen sehen sie?[...]

    An der Liste vorbei ins Parlament

    Das neue Wahlrecht mischt die Bremische Bürgerschaft auf/ Altgediente Abgeordnete scheiden überraschend aus

     

    von Bernd Schneider

    Bremen. Fünf Stimmen, frei verteilbar über Personen und Listen - das neue Wahlrecht wird die Zusammensetzung des Parlaments spürbar verändern. Bis zum frühen Abend waren die Personenstimmen noch nicht endgültig ausgezählt. Auf der Basis von 93 % zeigte sich aber eine klare Tendenz: in allen Fraktionen werden Abgeordnete an den Parteien-Listen vorbei ins Parlament einrücken. Einige altgediente Parlamentarier, die nach dem alten Wahlrecht ein Mandat errungen hätten, müssen sich dafür verabschieden.

    Elombo Bolayela ist vom aussichtslosen Listenplatz 41  ins Parlament eingerückt - mit über 3000 Stimmen. Das ist rang 6 gestern Abend bei der SPD - zwei Platze hinter Bürgerschaftspräsident Christian Weber, fünf vor Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper. Bolayela (45) stammt aus Kinshasa (Kongo). 1992 kam er als Asylbewerber nach Deutschland. "Ich hatte gehofft, dass ich ins Parlament einziehe" , sagt er. "Aber ich war doch überrascht. Erwartet habe ich das nicht." Dankbar sei er allen, die ihn gewählt haben, sagte der künftige Abgeordnete, der als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in einem Baumarkt die Interessen seiner Kollegen vetritt. "Ich kenne so viele."

    30 Mandate hat die Stadtbremer SPD errungen. Die Hälfte wird über die Liste besetzt, in der Reihenfolge, in der die Kandidaten aufgestellt wurden. Über die adnere Hälfte entscheidet die Zahl der Personenstimmen. So drängen weitere Kandidaten von eigentlichen aussichtslosen Listenplätzen ins Hohe Haus: Renate Möbius (Platz 37), Mehmet Seyrek (Platz 53), von dem es heißt, er habe viele aus der alevitischen Gemeinde Hinter sich. Raus aus dem Rennen ist dagegen die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Birgit Busch, die auf zwölf Jahre Parlamentsarbeit zurückblickt. Sie war auf Listenplatz 27 gestartet - nicht gerade glänzend, aber nach dem alten Wahlrecht sicher. Auch die Abgeordneten Jens Dennhardt und Raimund Kasper sind draußen . Größter Absteiger bei der SPD ist Max Liess, Er startete vom sicheren 16. Platz, stürzte bei den Personenstimmen auf Platz 54 (404 Stimmen). Über die  Liste wird er aber für einen der Senatoren nachrücken. 

    "Ich gehe durch den Vordereingang."

    (Claas Rohmeyer CDU)

    Größte Überraschung für die CDU dürfte Claas Rohmeyer gewesen sein. Gut 1800 Stimmen hat er gesammelt, Platz neun, weit vor den Abgeordneten Heiko Strohmann (757 Stimmen) und Carl Kau (1060), die über die Parteiliste einziehen. Rohmeyer ist bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Es war seine Nähe zu dem in Ungnade gefallenen Jens Eckhoff, die ihm einen aussichtslosen 31. Listenplatz einbrachte - und den musste er sich sogar noch vor dem Parteigerichte erstreiten. "Ich hatte schon geglaubt, ich bin raus aus dem Rennen", sagte er gestern, als er mit uneinholbarem Vorsprung von 500 Stimmen vor seiner Fraktionskolleging Sandra Ahrens lag, deren Einzug seinen Platz noch hätte gefährden können. SMS aus seinem politischen Umfeld:"Der Drops ist gelutscht." Rohmeyer hatte trotz der schlechten Platzierung nicht aufgesteckt, Wahlkampf für sich selber gemacht, weniger für die Partei. Dass er mit den Personenstimmen jetzt  "durch die Hintertür ins Parlament" einziehlt, weist er selbstbewusst zurück: "Ich gehe durch den Vordereingang."

    Einen erstaunlichen Sprung bei der CDU hat auch Gabi Piontkowski gemacht, Staatsanwältin und für die CDU im Beirat Borgfeld aktiv. Sie landete auf Platz drei, gleich hinter Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann und Fraktionschef Thomas Röwekamp. Nach altem Wahlrecht wäre sie mit Listenplatz 13 allerdings auch sicher im Parlament gewesen. Überraschend weit abgeschlagen dagegen der stellvertretende Fraktionschef Heiko Strohmann: Platz 19 nach Personenstimmen - aber auch er rückt über die Liste ein. 

    Mustafa Öztürk belegt Platz drei bei den Grünen. Dabei hatte die Landespartei ihn auf Platz 24 nominiert. "Wir hätten 30 Prozent haben müssen, damit ich auf diesem Listenplatz wieder ins Parlament einziehe", sagt Öztürk. Also druckte er Faltblätter, verteilte sie, hängte A-3-Plakate in Geschäften auf, war "Tag und Nacht" in allen Stadtteilen unterwegs. Was ihn freut: "Ich hatte krass viele Unterstützer." Nun geht er gestärkt in die neue Legislaturperiode: "Ich habe 4000 Stimmen, stehe auf Platz drei, gleich hinter den Senatoren und 1000 Stimmen vor Anja Stahmann", die auf Platz vier gelandet ist. Seine politische Arbeit der vergangenen Jahre sei anerkannt und gewürdigt worden. "Für die Fraktionsarbeit fühle ich mich sehr gestärkt. Ich fühle mich vom Volk bestätigt, ich bin total happy. "

    Bei den Lingen rücken über Personenstimmen wohl  Cindi Tuncel und Peter Erlanson von hinteren Plätzen ein, Jost Beilken und Thea Kleinert fallen heraus. Wie Stimm-Magnete haben die Spitzenkandidaten gewirkt: Jens Böhrnsen holte mit 140000 Stimmen zwei Drittel aller SPD-Personenstimmen, Rita Mohr-Lüllmann mit 42000 knapp 45 Prozent, Karolinge Linnert mit 28000 ein Drittel. Keiner der Zweitplatzierten erreicht zweistellige Werte - außer bei den Linken - die meisten liegen unter einem Prozent: in der SPD steht di Null vorm Komma schon bei Platz 8, in der CDU bei Platz 18, bei den Prünen Platz 24.

    (Quelle: Weser Kurier vom 26. Mai 2011)

     

     

    Zum Frühstück bei...

    Elombo Bolayela aus Bremen

    Elombo Bolayela ist 1965 in der Demokratischen Republik Kongo geboren und aufgewachsen. 1992 musste er nach einer friedlichen Demonstration für mehr Demokratie fluchtartig das Land verlassen. Er beantragte Asyl in Deutschland, reiste über Moskau, Braunschweig, Hannover nach Syke bei Bremen ein. Inzwischen ist er Deutscher.

    Der Tag kann beginnen...

    Im Mai 2011 kandidiert Elombo Bolayela als Abgeordneter für die Bremische Bürgerschaft für die SPD. Er arbeitet in einem Baumarkt in Bremen und ist dort seit vielen Jahren Betriebsrat. Und in seiner Freizeit trommelt und singt er im "Chor ohne Grenzen". Den hat er selbst gegründet. Die Auftritte sind für den guten Zweck, das Geld der Einnahmen und des CD-Verkaufs spendet er für Einrichtungen auf der ganzen Welt. Immer wo anders.

    Elombo Bolayela lebt mit seiner Frau Angela und den fünf Kindern in Bremen. Dort hat ihn René Möller zum Frühstück getroffen.

    Zum Frühstück bei Elombo Bolayela, [3:37]

    Homepage: Chor ohne Grenzen

    Homepage: Elombo Bolayela

    Zur WDR-Startseite funkhauseuropa.de

    Ein Deutscher aus Zaire

    Syke - „Volle Kirche beim afrikanischen Gottesdienst in Syke“ hieß es 3. Juni 1993 in der Kreiszeitung. Den aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) stammenden Afrikanern, die in Deutschland um Asyl baten, räumte seinerzeit der gerade erst nach Syke versetzte Pastor Wilhelm Tesch ein Forum ein.

    Am Donnerstagabend war Syke erneut Forum für das Thema Integration. Im „Erzähl-Café“ (Waldstraße 3) trafen sich mit Wilhelm Tesch und Elombo Bolayelsa zwei, die schon vor 18 Jahren erste Kontakte geknüpft hatten. Jetzt war Bolayelsa wieder Gesprächspartner von Tesch. Der Abend stand unter dem Motto „Mein Weg aus Zaire über Syke nach Bremen“.

    In Syke kennt man Elombo eher als Samuel. Das ist der christliche Name für Elombo. Der 45-Jährige hat heute einen deutschen Pass, ist in Bremen verheiratet und hat fünf Kinder. Er ist als Fachverkäufer in einem Baumarkt tätig, dort seit acht Jahren Vize-Betriebsratvorsitzender und in seiner Freizeit mit Leidenschaft  Kirchenmusiker.

    Er plauderte offen und charmant und berichtete ausführlich von seiner Familie im damaligen Zaire. Von seinem großen Bruder, der prostestantischer Pastor ist, von seinem Großvater, der in seinem Dorf König war, vom Umzug nach Brazaville in dem vom Krieg geschüttelten Land und seinem Traum, eigentlich Mediziner zu werden. Der Krieg hat dies vereitelt.

    Der junge Student, der sich für Demokratie einsetzte, wurde unter der Regierung von Präsident Mobuto bei einer Demonstration verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Nach seiner Genesung verkaufte er das geerbte Auto und floh mit 6000 Dollar nach Europa.

    Eine abenteuerliche Reise mit einem gefälschten Pass über Moskau bis nach Syke. Das war 1992 in einem kalten Februar. Eines Tages stand ein weißer Mann vor der Tür des Asylbewohnerhauses an der Sulinger Straße und wollte mit Bolayelsa und seinen Landsleuten sprechen. Der weiße Mann war Pastor Tesch.

    Er lud die Afrikaner in die Christuskirche zum Gottesdienst ein, den die Afrikaner reichlich langweilig  fanden.

    Am Pfingstsonntag 1993 gestaltete die Gemeinde einen Gottesdienst mit den Menschen aus Zaire. Mit Trommeln und Gesang auf Deutsch, Französich, Kikongdo und einem aufgeregten Bolayelsa, der vor 200 Weißen musizierte.

    Der Gast verstand es, die Menschen in seiner ruhigen Erzählart zu berühren. „Syke bleibt für immer in Kopf und Herz“, sagte er.

    Seine Heimat hat er vor vier Jahren besucht. Der Diamantenkrieg habe seine Spuren hinterlassen, das Land sei zerrissen, betonte Bolayelsa traurig.

    In Bremen kandidiert er für die SPD für die Bremische Bürgerschaft. Er macht sich stark für Kinder-, Jugend-, Frauen- und Familienpolitik, möchte die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche erhöhen. Sollte er Abgeordneter werden, wäre er der erste Schwarzafrikaner im Bremer Parlament.

    Elombo Bolayela vermittelte im „Erzähl-Café“ Zuversicht. Seine Freundlichkeit und sein Glaube haben ihm geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen, ein Deutscher zu werden.

    An Syke verteilte er glaubhaft Komplimente, an Kirche und Verwaltung. · iv

    Quelle: Kreiszeitung Syke

    Gott loben - den Menschen dienen! - Integration leben! - Interview mit Elombo (Samuel) Bolayela -

    Erwähnung im Markusbrief einer Kirchenzeitschrift der Markus-Gemeinde

    Elombo Bolayela, aIle kennnen Dich als Samuel Bolayela. Wie kommt das?
    Als ich 1965 geboren wurde, wahrend der MobutuRegierung, wurden christliche Namen verboten. Deshalb erhielt ich den Vornamen Elombo. Zuhause und von Freunden wurde ich aber Samuel genannt. Meine Eltern wollten, dass ich einen christlichen Vornamen bekomme. Mein Vater war Pastor in der Evangelischen Kirche im Kongo in IZinshasa.

    Warum bist Du nach Deutschland gekommen?
    Ich musste 1992 den Kongo verlassen, weil ich am 16.2.1992 an einer auch von den Kirchen mit organisierten Demonstration fur mehr Freiheit und mehr Parteien teilnahm. Viele hundert Menschen wurden getotet. Ich konnte fliehen.
    Du lebst seit 1992 in Deutschland und seit 1997 in Bremen und bist verheiratet mit Angela, einer gebiirtigen Bremerin. Du hast fiinf Kinder. Ihr seid beide berufstatig. Zusatzlich engagierst Du Dich noch in in der Kirche und der GeseIlschaft.


    Was ist Dir so wichtig, dass Du Dir die Zeit dafiir nimmst?
    Ich mochte gerne etwas fur andere Menschen tun und mir macht das Spaß). In der Kirche bin ich aufgewachsen. Dort treffe ich Menschen, die mir gegenüber offen sind. Das brauche ich. Da hole ich meine Kraft. Ich kann Gott lob ein, Freude mit anderen teilen und mit ihnen zusammen etwas dazu lernen.

    Deshalb leite ich seit 2002 den Chor ohne Grenzen in der Gemeinde und mache es gerne. Ich bin jetzt Bremer. Es ist mir wichtig, mich in der Gesellschaft auch einzubringen. Ich kenne Armut und Reichtum und habe Erfahrungen, die ich weitergeben kann.
    Empfindest Du Dich als gut integriert? Ich bin hier zu Hause, ein Teil der Gesellschaft in Bremen. Dies Gefuhl, dazu zu gehoren, tut mir gut.
    Diese Chance wlinsche ich jedem in unserer Stadt. Dafur setze ich mich ein. Integration darf nicht allein eine Forderung der Politik sein. Die Gesellschaft muss es wollen. Eine Spaltung ist schadlich. Die Integration muss gewollt und organisiert werden.
    Deine Kinder gehen in Bremen zur Schule. Larissa ist hier im Konfirmandenunterricht. Welche Erfahrungen habt Ihr als Familie dabei gemacht?
    Die Kinder sind selbstbewusst. Sie sollen Leistung bringen. Sie nehmen alle Angebote an. Jedes Kind soli die Moglichkeit haben, eine gute Schule zu besuchen -ohne U nterschied von Herkunft und Einkommen. Jedes Kind sollte entsprechend der persönlichen Begabung gefördert werden. Das beginnt mit der Förderung in der deutschen Sprache im Kindergarten. Es darf keine 2.-Klasse-Bildung geben.
    Bremen sollte deshalb weiterhin in Kindergarten und in Bildung investieren. Hier
    kann nicht gespart werden.
    Um diese Ziele aktiv zu unterstiitzen hat sich Elombo (Samuel) Bolayela als Kandidat fiir die Bürgerschaftswahl im Mai aufstellen lassen.

    Quelle: Markusbrief der St. Markus-Gemeinde Ausgabe 1. 2011


    Wird dieser Rote 1. schwarzer Abgeordneter?

    Die Bild-Zeitung berichtet über mich:

    Von HOLGER BLOEHTE


    Oslebshausen
    – Er floh vor dem blutigen Bürgerkrieg aus dem schwarzafrikanischen Kongo. Das ist 19 Jahre her. Jetzt macht er in Bremen Karriere. Nach einer Tischlerlehre arbeitet der ehemalige Asylbewerber Elombo Bolayela (45) seit zehn Jahren in einem Baumarkt (Max Bahr). Dort wurde er in den Betriebsrat gewählt. Jetzt ist der bekennende Sozialdemokrat als erster schwarzer Abgeordneter auf dem Sprung in die Bürgerschaft. Mehr Integration geht nicht! Der Schlüssel seines Erfolges ist die Sprache: „Ich spreche fließend deutsch. Das war mir wichtig, um hier anzukommen.“ Als Elombo 1992 nach
    Deutschland kam, erlebte er einen Kulturschock: „Alles war so sauber und so aufgeräumt. Dazu kam meine ständige Angst, wieder abgeschoben zu werden.“ Über eine Kirchengemeinde in Arsten fand er schnell Freunde. Bolayela: „Mittlerweile leite ich dort den Chor ohne Grenzen.“ Bei einem Thema wird er sauer. Die schwarzafrikanischen Drogendealer am Sielwall-Eck. Der Sozialdemokrat: „Sie kommen als Asylbewerber nach Deutschland
    und handeln mit Rauschgift. Das kann ich nicht verstehen. Da muss die
    Polizei durchgreifen.“ In der Bürgerschaft will sich Bolayela um Ausländer- und
    Familienpolitik kümmern. Der Politiker: „Es kann nicht angehen, dass Kinder für
    Frauen das berufliche Karriere-Ende bedeuten. Wenn sie keine Babys mehr bekommen, sterben die Deutschen bald aus.“ Bolayela liebt Kinder. Er hat mit seiner Frau Angela (41) drei Töchter und zwei Söhne. Hat er manchmal Heimweh nach Afrika? Elombo: „Überhaupt nicht. Meine Heimat ist Bremen. Hier fühle ich mich zu Hause.“

    Quelle: BILD 11.2.2010


    Chor ohne Grenzen trägt afrikanische Spirituals mit Vitalität und Freude in der St.-Pankratius-Kirche vor

    Klingender Abschluss des Festes

    Von Klaus Börsch

    Stuhr. Es war ein gelungener und angemessener Abschluss des Weihnachtsfestes: Am zweiten Feiertag sang der Chor ohne Grenzen zugunsten bedürftiger Kinder im kolumbianischen San Augustin. Afrikanische Spirituals füllten das stimmige und stimmungsvolle Konzert des deutsch-afrikanischen Chores, der seit seiner Gründung vor acht Jahren mit freudiger und dynamischer Ausdrucksweise seine Musik mit karitativem Engagement verbindet. Die zahlreichen Besucher der Pankratius-Kirche in Stuhr ließen sich mitreißen von den fetzigen, aber auch einfühlsamen Rhythmen afrikanischer Spirituals.

    Chorleiter Elombo Bolayela kann nach Art und Ort seiner Auftritte bis zu zwanzig Sängerinnen und Sänger um sich versammeln, die teilweise in Bremen zu Hause sind.

    Die wunderbaren und volltönenden Stimmen des gemischten elfköpfigen Chores harmonierten auf unwiderstehliche Weise mit den afrikanischen Trommeln (Mbondas). Elombo Bolayela selbst schlug meisterhaft die beiden afrikanischen Trommeln, die mit zwei Gitarren einen berauschenden Sound zauberten. Händeklatschend und mit den Füßen stampfend wurde jedes Lied des facettenreichen Repertoires vom Publikum rhythmisch begleitet.

    Der Chor ohne Grenzen interpretiert nicht die schwermütigen Spirituals, die die leidvolle Geschichte der afrikanischen Sklaven erzählen. Bolayela präsentiert mit seinem Ensemble vielmehr eine afrikanische Musik, die voll purer Freude und Dankbarkeit Gott und Jesus Christus preist. Mit Fröhlichkeit und Enthusiasmus verkünden Chor und Instrumentalisten immer wieder die Botschaft, die hauptsächlich in kongolesischer Sprache gesungen wird. So lauten denn auch die deutschen Übersetzungen der Titel "Gott ist stark", "Jesus ist hier und überall" oder "Die Freude, Gott zu dienen."

    Immer wieder forderte Bolayela die Besucher zum Mitmachen und Tanzen auf, die - anfangs zögerlich, dann aber immer mehr - aus sich heraus gingen. Die afrikanische Seele schien zeitweise durchaus Besitz zu ergreifen von den gut besetzten Kirchenbänken. Gegen Ende des Konzerts sangen Chor und Publikum noch gemeinsam das Lied "Gottes Wort ist wie Licht". "Ihr wart ein tolles Publikum heute," antwortete der Chorleiter auf den begeisterten Schlussapplaus seiner Zuhörer.

    Chor ohne Grenzen unterstützte mit diesem Konzert die Arbeit der in Salzgitter ansässigen Hilfsorganisation Viras. Ein Vorstandsmitglied erläuterte die Arbeit seines Vereins vor Ort in einer kurzen Konzertpause. So ermöglicht Viras 120 Kindern den Schulbesuch und ein tägliches Mittagessen.

    Das Programm "Ernährung und Bildung" der Organisation wird vom kolumbianischen Staat nicht gefördert, weil Viras sich politisch neutral verhält. Im Jahr 2005 konnte dennoch eine Finca angekauft werden. Unter der Mitwirkung der Eltern konnte das verwahrloste Grundstück in einen guten Zustand versetzt werden. 40 Prozent des Küchenbedarfs produziert das Bildungszentrum mittlerweile selbst.

    Neben der Schulausbildung kümmert sich die Organisation auch um die praktische Ausbildung der jungen Kolumbianer. Sie werden in handwerklichen und landwirtschaftlichen Tätigkeiten ausgebildet. Somit beruhen die Angebote auf dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" und richten sich nach den örtlichen Gegebenheiten.

    Auch Elombo Bolayela berichtete über ein eigenes Engagement des Chores in Angola. Dort wurde der Bau einer Schule durch Einnahmen von Eintrittsgeldern und CD-Verkäufen des Chores mitfinanziert.

    [Quelle: Weserkurier; weser-kurier.de 28.12.2010]


    Kandidat 41 setzt auf das neue Wahlrecht

    Der in der Republik Kongo geborene Elombo Bolayela will für die SPD in die Bürgerschaft einziehen

    Von Michael Brandt

    Typisch! Der Mann arbeitet seit Jahren im Baumarkt, krempelt die gelben Hemdsärmel hoch und mischt Farbe an. Er interessiert sich für Themen wie Familie und Beruf. Und dann ist er auch noch stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Und Chorleiter. Ein SPD-Kandidat, wie er passender kaum sein kann. Und doch vollkommen untypisch. Elombo Bolayela ist 1965 in Kinshasa geboren. Er könnte am 22. Mai der erste Bürgerschaftsabgeordnete mit schwarzafrikanischen Wurzeln werden.

     

     

    Der Oslebshauser Elombo Bolayela steht auf Platz 41 der SPD-Kandidatenliste. Das reicht nach menschlichem Ermessen zunächst nicht für ein Mandat. Nach der letzten Bürgerschaftswahl hatte die SPD 32 Abgeordnete, ist inzwischen durch Parteiwechsel auf 35 angewachsen. Bolayela setzt deshalb auf das neue Persönlichkeitswahlrecht. Und geht optimistisch davon aus, dass er ausreichend Stimmen auf sich ziehen kann, um nach dem 22. Mai auf der Abgeordnetenbank Platz zu nehmen. "Ich rechne mir gute Chancen aus."

     

    Wie viele Stimmen er dazu benötigt? Dass kann er nicht sagen. Und zum jetzigen Zeitpunkt auch sonst niemand, weil es bisher keine Erfahrungen mit dem Fünf-Stimmen-Wahlrecht gibt. Warum er das überhaupt macht? "Ich will mitentscheiden. Das ist Bürgerpflicht." Unbeteiligt daneben stehen und andere machen lassen - das ist ganz offensichtlich nicht die Sache des Kandidaten.

     

    Bei dieser Haltung spielt auch Bolayelas persönliche Vergangenheit eine wichtige Rolle. Es ist eine Rückblende in das Jahr 1992, als im damaligen Zaire Studenten auf der Straße für demokratische Reformen stritten. Gegen den Machthaber Mobutu. Einer der Demonstranten war Elombo Bolayela, der Wirtschaft studierte. Es kam zu Ausschreitungen und Erschießungen. Als die Studenten verfolgt wurden, floh Bolayela ins Nachbarland und nach Europa, wo er in Deutschland Asyl beantragte. Zufall. Es hätte, sagt er lachend, auch Kanada oder Frankreich sein können. Über Braunschweig und Syke kam er schließlich 1996 nach Bremen.

    Zu Hause in Bremen

    Heute sagt er: "Ich bin zu Hause in Bremen." Und gleichzeitig ist er Afro-Deutscher. Wie mit ihm mehrere Tausend Personen in Bremen. Ungefähr die Hälfte, schätzt Elombo Bolayela, besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Zu seinen Freunden, zählt er auf, gehören Deutsche, Muslime, unter anderem Menschen aus Sri Lanka und Thailand. "Hört sich bunt an? So bin ich auch. Und so ist Deutschland." Kontakte knüpft der Sohn eines Pastors unter anderem in der evangelischen St.-Markus-Gemeinde in Arsten und über seinen "Chor ohne Grenzen". Er gilt als sehr gut vernetzt.

    Mit seinem Geburtsland, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, bleibt er verbunden. Vor drei Jahren war er zuletzt zu Besuch dort. Und auch wenn Elombo Bolayela mit dem "Chor ohne Grenzen" auftritt, geht der Erlös zum Beispiel an ein Kinderheim im Kongo. "Etwas für die Menschen zu tun, das ist für mich ideal", sagt der 45-Jährige. Dass war übrigens auch der Grund, warum er an seinem Arbeitsplatz, einem Baumarkt an der Stresemannstraße, in den Betriebsrat gegangen ist. " Ich will etwas erreichen für die Kollegen. Das tue ich gern."

    Dass Elombo Bolayela seit 2002 im Betriebsrat arbeitet, merkt man im Gespräch umgehend. Sofort hat er die passenden arbeitsmarktpolitischen SPD-Positionen parat. Zur Mindestlohn-Debatte zum Beispiel sagt er, 8,50 Euro müssten das Minimale :ein. Und: Es könne nicht sein, dass jemand, der arbeite, gleichzeitig auf Hilfen vom Staat angewiesen sei.

    "Die Migranten in Deutschland werden selbstbewusster", sagt der Sozialdemokrat, nach den Hintergründen seiner Kandidatur gefragt. "Es muss normal werden, lass Migranten für die Bürgerschaft kandidieren." Daran könne man auch ausmalen, wie modern eine Gesellschaft sei. Natürlich will er die persönlichen Erfahrungen, die er aufgrund seines Lebenswegs gesammelt hat, in die Bürgerschaftsarbeit eingingen, wenn es denn klappt und das Stimmenergebnis reicht.

    Mit Bück auf die Integrationsdebatte in Deutschland in den vergangenen Monaten warnt Elombo Bolayela vor allem vor Pauschalisierungen. Integration müsse von gegenseitigem Respekt geprägt sein, ist er überzeugt. Aber: "Es gibt Menschen, die versuchen, Geld damit zu machen, die Gesellschaft zu spalten." Er will den Blick darauf lenken, dass Migranten in Deutschland inzwischen in allen Gesellschaftsschichten vertreten sind. "Sie sind stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Chefs. Aufgabe des Staates ist es, den Menschen, die sich integrieren wollen, keine Hindernisse in den Weg zu legen."

    Integration und Migration - das sind aber trotz der aufgeregten Debatten nicht seine ersten Themen. Da steht zum Beispiel der Komplex Familie und Beruf. "Die Geburt eines Kindes darf nicht das Ende der beruflichen Karriere bedeuten. Es darf nicht bedeuten, dass man den Beruf aufgeben muss", sagt der Vater von fünf Kindern. Vier von ihnen wohnen noch im Elternhaus.

     

    Die Entscheidung, für die Bremische Bürgerschaft zu kandidieren, habe sich langsam entwickelt, sagt Elombo Bolayela. Umso professioneller geht der Mann, der m Baumarkt für die Farbabmischung zuständig ist, jetzt den Persönlichkeitswahlkampf an. Er hat sich mit www.bolayela.de eine Homepage im SPD-Erscheinungsbild eingerichtet, auf der er seine wichtigsten politischen Aussagen präsentiert, inklusive Zitat des Bürgermeisters. Und er sucht, wo er kann, das Gespräch. Auch am Rande der Bürgerschaft in dieser Woche. Dann allerdings nicht im gelben Hemd, sondern im Anzug.

    [Quelle: Weserkurier 29.1.2011]